Germar Rudolf
I. Kriterien der Wissenschaftlichkeit
Die in einer wissenschaftlichen Arbeit aufgestellten Thesen müssen durch
eine eigene kritische Beweisführung oder durch Quellenverweise belegt
sein und sie müssen der Kritik gegenläufiger Thesen ausgesetzt werden.
Ob die im Titel angesprochenen Bücher Pressacs diesen Anforderungen
genügen, wird nachfolgend untersucht.
II. Beweisführung und Quellenverweise
Pressac führt in seinen Werken im Zusammenhang mit den von ihm angeschnittenen
technischen und naturwissenschaftlichen Problemen (z.B. Kremierung,
Blausäurebegasungen, Lüftungstechnik, chemische Rückstandsbildung) keine
Quellen der Fachliteratur an und führt auch keine eigenen Berechnungen
oder Experimente durch.3 Dagegen zitiert er einige geläufige historische
Werke. Beispiele hierzu siehe im Anhang.
III. Kritik an Zeugen, Dokumenten und anderen Gegenständen
Auschwitz: Technique... enthält vielerorts massive Kritik an
Zeugenaussagen, die jedoch unsubstantiert erfolgt.4 Les Crématoires...
korrigiert (wiederum unsubstantiert) stillschweigend die Zeugenaussagen,
ohne diese selber einer Kritik zu unterziehen. Eine Dokumentenkritik
wird in keinem der beiden Bücher vorgenommen. Da ein Großteil der Dokumente
aus ehemals sowjetischen Archiven (u.a. des KGB) stammt, wäre eine Kritik
aber gerade hier unerläßlich.5 Auch eine technische Kritik der vorhandenen
Gegenstände der Untersuchung (Krematorien bzw. deren Überreste) erfolgt
nicht. Beispiele hierzu siehe im Anhang.
IV. Anführung von Gegenargumenten
In Auschwitz: Technique... geht Pressac kurz auf den Leuchter-Report
(ohne Quellennachweis) und auf ein Werk von P. Rassinier ein. Neuere
und wichtigere Arbeiten anderer Autoren mit Gegenargumenten (Faurisson,
Butz, Mattogno u.a.) erwähnt er nicht. Sein zweites Buch enthält nur
den Hinweis, daß es Verneiner seiner Thesen gibt (S. 2), aber ohne Nennung
von Namen, Werken und Argumenten. Die Anführung von Dokumenten, die
Möglicherweise seiner Thesen zuwiderlaufen (z.B. Luftaufnahmen) unterbleibt
ebenso. Beispiele hierzu siehe im Anhang.
V. Schlußfolgerungen
Aufgrund fehlender Dokumentenkritik und willkürlicher inhaltlicher Veränderung
der Zeugenaussagen kann den Büchern Pressac's für die Geschichtswissenschaft
nur ein eingeschränkter wissenschaftlicher, jedoch ein gewisser informativer
Wert zugestanden werden.
Pressac's Bücher entsprechen mangels Kalkulationen, Experimente und
Substantierung technisch-naturwissenschaftlicher Vorgänge nicht den
Ansprüchen, die an wissenschaftliche Arbeiten in diesen Fachgebieten
gestellt werden.
Schließlich setzt Pressac seine Ergebnisse besonders in Les Crématoires...
nicht der Kritik anderer Meinungen aus. Er führt sie noch nicht einmal
an.
VI. Fazit
Die Bücher Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Chambers
und Les Crématoires d'Auschwitz, la Machinerie du meurtre de masse
von Jean-Claude Pressac bezeugen, daß der Autor unwissenschaftlich gearbeitet
hat. Aufgrund seiner fleißigen Dokumentenrecherche enthalten diese Bücher
jedoch viele verwertbare Erkenntnisse.
Dipl.-Chem. Germar Rudolf, Jettingen, den 18. Januar 1994.
Anhang
Beispiele aus Les Crématoires... zu II. Beweisführung und Quellenverweise:
- Auf Seite 6 läßt er die SS aus dem Brennstoffbedarf einer Kremierung
mit Sarg (35 kg Holz plus wenige kg Koks) ableiten, daß man für
eine Kremierung ohne Sarg nur 5 kg Koks pro Leiche benötige. Diese
Ableitung beruht nur auf einer Schätzung Pressac's, eine Quelle
dafür führt er nicht an.
- Über den Zeitbedarf der Kremierung einer Leiche führt Pressac
verschiedene Werte aus Zeugenaussagen und Dokumenten an (1 h, S.
7; 30-40 min, S. 13; 1 h 12 min, S. 15; 15 min, S. 28; 1 h 36 min,
S. 34; 34-43 min, S. 49; 13 min, S. 72; 29 min, S. 74; 22 min, S.
80). Eine technische Überprüfung dieser Werte erfolgt nicht.
- Auf Seite 41f. interpretiert Pressac die Kenntnisnahme eines
Artikels von G. Peters über eine Kreislaufentlausungsanlage durch
die Lagerleitung von Auschwitz dahingehend, daß die SS die angeblichen
Menschengaskammern im Bunker II mit ähnlichen Anlagen ausrüsten
wollte. Belege dafür hat er nicht.
- Die Verwendung des Wortes Sonder- ist für Pressac der
Beweis für den Massenmord. Einen Beleg dafür liefert er nicht (S.
46f.; 52; 60f.). Im Gegenteil: auf S. 82 zitiert er explizit den
Begriff Sondermaßnahme im Zusammenhang mit Entlausungsaktionen.
- Auf Seite 70f. interpretiert er den Einbau eines Holzventilators
in einen Leichenkeller als Beweis für die Verwendung von Blausäure
darin, ohne jeden Beleg. Unbemerkt bleibt ihm, daß er selbst an
vielen Stellen erwähnt, daß Eisen während des Krieges rationiert
war und, wo möglich, durch andere Materialien ersetzt wurde (S.
23; 38; 51; 53; 70).
- Die von Pressac zitierten Angaben der Luftförderleistungen der
Lüftungsanlagen (S. 30, 38, 74, 90) sind nicht nur von der Motorleistung,
sondern auch vom Gebläsetyp und von der Luftführung (Druckdifferenz)
abhängig. Eine für jede Anlage angepaßte Kalkulation führt Pressac
nicht durch.
Beispiele aus Les Crématoires... zu III. Kritik an Zeugen, Dokumenten
u.a.:
- Die Vergasungen im Krematorium I (Stammlager) schränkt er auf
wenige Male innerhalb dreier Monate ein - entgegen den Zeugenaussagen
(S. 34f.).
- Nach den Vergasungen in den Bunkern I und II sollen viele Stunden
verstrichen sein, bis man die Leichen entnehmen konnte (S. 39f.).
Die Zeugen berichten aber von wenigen Minuten, was Pressac nicht
erwähnt. Ebensolches berichtet er über die Krematorien IV und V,
in denen ohne Entlüftungsanlage eine Serienvergasung unmöglich war.
Die dem entgegenstehenden Zeugenausussagen verschweigt er (S. 89).
- Die Krematoriumskapazität, angegeben in einem vermeintlich originalen
Dokument, bezeichnet er als Lügenpropaganda und korrigiert sie -
ohne Belege (S. 80f.).
- Ein Dokument über die Bestellung von Anzeigegeräten für Blausäure-Reste
für ein Krematorium präsentiert er als endgültigen Beweis der Gaskammern.
Dieses Dokument enthält aber so viele sachliche wie formelle Fehler,
daß eine Dokumentenkritik angebracht wäre. Pressac unterläßt sie
auch hier.
- Eine Untersuchung der Original-Ruinen und Alliierter Luftbilddokumente
unterläßt er.
Beispiele aus Les Crématoires...zu IV. Anführung von Gegenargumenten:
- Die über sein erstes Buch Auschwitz: Technique... gemachten
Einwände6 ignoriert er in seinem neuen Buch. Er wiederholt vielmehr
die ihm vorgeworfenen Fehler.
- Die Feststellung, daß in der Decke der angeblichen Hauptgaskammer
(Leichenkeller I Krematorium II) jede Spur von Zyklon B-Einwurfluken
fehlt, womit diese Hauptgaskammer als Mordwaffe und Hauptstützpfeiler
des industriellen Massenmordes in Auschwitz ausfiele,7 übergeht
er in beiden Büchern.
- Auf die chemisch-physikalische Argumentation und die bautechnischen
Ausführungen des Rudolf-Gutachtens geht er mit keiner Silbe ein.4
1 Beate Klarsfeld Foundation, New York 1989.
2 CNRS Éditions, Paris 1993.
3 Im Buch Les Crématoires... gibt er eine Quelle für den Siedepunkt
der Blausäure an (S. 16), verwechselt ihn jedoch mit einem "Verdampfungspunkt",
den es nicht gibt. Er beweist damit seine physikochemische Inkompetenz.
Eine weitere Quelle über Kreislaufentlausungsanlagen zitiert er, weil
er sie in einem Moskauer Archiv fand, geht aber auf dessen Inhalt nicht
ein (S. 41).
4 Vgl. R. Kammerer, A. Solms, Das Rudolf Gutachten, Cromwell, London
1993, bes. S. 64ff.
5 Seit Bekanntwerden der Totalfälschung des Demjanjuk-Ausweises ist
offenkundig, daß eine Kritik von Dokumenten aus diesen Archiven unerläßlich
ist. D. Lehner, Du sollst nicht falsch Zeugnis geben, Vowinckel, Berg
o.J.
6 Zu detaillierter Kritik an Pressac vgl.: R. Faurisson, Revue d'Histoire
Révisionniste 3 (1990) 65ff.; ders., Journal of Historical Review 12(1)
(1991) 25ff.; ebenda, 12(2) (1991) 133ff; W. Häberle, Deutschland in
Geschichte und Gegenwart 39(2) (1991) 9ff.; W. Schuster, ebenda, 13ff,;
M. Weber, Journal of Historical Review 12(4) (1992-93) 421ff.; P. Grubach,
ebenda, 445ff.; E. Gauss, Deutschland in Geschichte und Gegenwart 41(2)
(1993) 16ff.; ders., Vorlesungen über Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen
1993; R. Kammerer u.a., Anm. 4. Vgl. auch die fundierte Kritik an seinem
neuen Buch: A.N.E.C., R. Faurisson, S. Thion, P. Costa, Nouvelle Vision
31 (1993) 11ff.; R. Faurisson, Réponse à Jean-Claude Pressac, R.H.R.,
Boîte Postale 122, 92704 Colombes Cedex 1994; R. Faurisson, C. Mattogno,
S. Thion, Erwiderung an Jean-Claude Pressac, im Druck.
7 Vgl. R. Kammerer u.a., Anm. 4, bes. S. 22ff.
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