451 Grad Fahrenheit
Über die Bedrohung der intellektuellen Freiheit
1952 schrieb Harry Elmer Barnes einen brandaktuellen Artikel mit
dem Titel »How "Nineteen Eighty-Four" Trends Threaten American Peace,
Freedom, and Prosperity« (Wie »1984«er Trends den amerikanischen Frieden,
die Freiheit und den Wohlstand gefährden) als abschließendes Kapitel
seiner klassischen revisionistischen Anthologie Perpetual War for Perpetual
Peace (Der ewige Krieg für den ewigen Frieden). Barnes analysiert darin
George Orwells Klassiker als ein Buch der Prophezeiungen und schlägt
Alarm: man müsse die in Amerika weit verbreiteten Trends in Richtung
»1984« umkehren. Barnes argumentierte, daß die Medienpropaganda und
bestimmte »Hofhistoriker« die Geschichte verfälscht und ungenau wiedergeben,
um damit in der Gegenwart dem Establishment genehme politische Ziele
durchzusetzen. Ironischerweise wurde dieser Beitrag von Barnes in der
ersten Ausgabe seines Buches gestrichen.[1]
Das Andenken an Barnes sollte eng mit der allgemein akzeptierten
Begriffsdefinition des »Revisionismus« verknüpft sein:
»Revisionismus ist nicht mehr und nicht weniger als das Bemühen,
die Geschichtsschreibung im Lichte vollständigerer Fakten, einer ruhigeren
politischen Atmosphäre und einer objektiveren Betrachtungsweise zu korrigieren.«[2]
Barnes hatte festgestellt, daß einer wirklichkeitsgetreuere Darstellung
des Ersten Weltkrieges erst möglich war, nachdem die Kämpfe beendet
waren und die Emotionen nachgelassen hatten. Barnes konnte allerdings
nicht voraussehen, daß die alliierte Propaganda und die allgemein verbreiteten
Vorstellungen über die Methoden und Arten der Kriegführung im Zweiten
Weltkrieg sich einer ähnlichen Korrektur weitaus hartnäckiger widersetzen
würden.
Heute, da seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges über 50 Jahre vergangen
sind, könnte man zurecht eine weniger emotionale Atmosphäre erwarten,
in der Historiker, Forscher und Autoren die Freiheit besäßen, den tatsächlichen
Gründen des Krieges wie auch den von beiden Seiten begangenen Grausamkeiten
nachzugehen. Tatsächlich aber sind diese wie auch andere Themen heute
größeren Beschränkungen unterworfen denn je zuvor, wobei das Schicksal
der europäischen Juden und anderer Minderheiten im sogenannten "Holocaust"
vom größten Tabu der Neuzeit umgeben wird.
1950, also drei Jahre vor Barnes' Artikel über »1984«, schrieb ein
anderer Autor, Ray Bradbury, einen düsteren, visionären Zukunftsroman
des Titels The Fireman (Der Feuerwehrmann). In späteren Jahren wurde
Bradburys Geschichte in Fahrenheit 451 umbenannt, nach der Temperatur,
bei der sich Papier von selbst entzündet. Fahrenheit 451 beschreibt
eine schreckliche Zukunft, in der Millionen von Büchern verboten sind
und die Feuerwehr Brände legt, anstatt sie zu löschen. Um eine Gesellschaft
gehirngewaschener, "glücklicher" Menschen zu bewahren, tritt die Feuerwehr
Türen ein und verbrennt die verhaßten Bücher mit samt den Häusern, in
denen sie aufbewahrt werden.
Barnes hätte niemals gedacht, daß sich die Welt derart schnell von
den »1984«er Trends, die er feststellte, zu denen von Fahrenheit 451
wandeln würde. Heute müssen wir erleben, wie die in Bradburys Science
Fiction Roman beschriebenen Geschehnisse tagtäglich statt finden.
Wächter unseres Seelenfriedens
Bradbury erklärt in Fahrenheit 451 die Ursprünge der Bücherverbrennung
durch den Feuerwehrmeister Captain Beatty:
»Dies wurde nicht von der Regierung angeordnet. Es gab weder eine
Anordnung, eine Verfügung noch etwa Zensur, nein! Technologie, Massenverwertung
und der Druck von Minderheiten haben das bewirkt, Gott sei Dank. Dank
dieser Entwicklung kann man heute jederzeit glücklich sein, man darf
Comics lesen, die guten alten Glaubensbekenntnisse oder auch Handelszeitungen.«[3]
Das zeitgenössische Amerika wie auch Europa durchläuft zur Zeit eine
Periode der "political correctness", die uns auf jedem sozialen Niveau
erfaßt hat. Dieser Versuch, nicht anstößig zu sein, führte zu einer
Gedankenzensur, die die vom "guten Geschmack" gezogenen Grenzen weit
überschreitet. Im Namen der "political correctness" führen unsere Gesellschaften
bereits die ersten in Fahrenheit 451 beschriebenen Vorgänge aus. Die
Lösung für politisch unkorrekte Gedanken wird in Bradburys Alptraumwelt
offenbart:
»Farbige Menschen mögen das Buch Little Black Sambo nicht. Verbrenn'
es. Weiße Menschen fühlen sich nicht wohl angesichts des Buches Uncle
Tom's Cabin. Verbrenn' es. Hat irgend jemand ein Buch über Rauchen und
Lungenkrebs geschrieben? Die Zigaretten-Lobbyisten weinen? Verbrenn'
das Buch.«[4]
Einer der ersten wirklichen Vorgänge, die einen Trend in Richtung
Fahrenheit 451 erkennen ließen, war der Brandanschlag auf die Druckerei
eines Verlegers revisionistischer Bücher, The Historical Review Press
(HRP) in England. Am 5. November 1980 zerstörten die "Feuerwehrleute"
das Büro, das Lager und die Druckerei von HRP. Der Schaden belief sich
auf etwa 50.000 Pfund (150.000 DM).[5] HRP errichtete
sein Büro erneut, wurde aber im September 1996 erneut von der "Feuerwehr"
besucht. Wiederum wurden Büro, Lager und Druckerei schwer beschädigt.[6]
HRP war nicht der einzige Verleger, der in jüngster Zeit ein derartiges
Schicksal erlitt. Das Institute for Historical Review (IHR), wie das
britische HRP ebenfalls Verleger revisionistischer Publikationen, das
die orthodoxe Version des Holocaust zu hinterfragen wagt, erhielt am
4.7.1984 einen ironischen Anruf eines dieser "Feuerwehrleute". Die Feuerwehr
suchte sich das Lagerhaus von IHR als Ziel aus und verbrannte dort Zehntausende
von Büchern, von denen sie befürchten mußten, daß sie ansonsten gelesen
würden. Unter den verbrannten Manuskripten befand sich auch Harry Barnes'
Perpetual War for Perpetual Peace.[7]
1995 führte die "Feuerwehr" ihre Art der Zensur gegenüber Ernst Zündel
durch, einem kleinen unabhängigen Verleger in Toronto. Zündel geriet
mit den kanadischen Behörden in Konflikt, weil er eine Broschüre publiziert
hatte, die es wagte, die Frage
Starben
wirklich sechs Millionen? (Did
Six Million Really Die) zu stellen.[8] Nach
vielen Jahren der letztlich erfolglosen behördlichen Zensur wurde Zündels
Haus am 8. Mai durch ein Feuer schwer beschädigt, nachdem unbekannte
Attentäter Benzin ins Haus gegossen und dieses angezündet hatten. Zeugen
berichteten von einem "Feuerwehrmann", der einen roten Benzinkanister
"behutsam wie eine Bombe" zum Zündelhaus schleppte und entzündete.
Der Schaden war enorm. Viele Bücher und Akten wurden vernichtet;
das Dach des Gebäudes stürzte ein. Was nicht verbrannte, wurde vom Löschwasser
der Feuerwehr zerstört.[9]
Die Nachricht wurde laut und unüberhörbar überreicht: Veröffentlichungen,
die über bestimmte kontroverse Themen unerwünschte Gedanken in die Welt
setzten, sind verboten.
Rahmensetzung für die Bücherverbrennung
Manchmal kann die "Feuerwehr" ihr Ziel, daß bestimmte Bücher nicht
gelesen werden dürfen, auch erreichen, ohne die betroffenen Bücher gleich
dem Feuer zu übergeben. 1996 entschied sich z.B. St. Martin's Press,
eine Biographie über Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels mit
dem Titel Goebbels: Mastermind of the Third Reich zu publizieren, geschrieben
vom bekannten aber umstrittenen britischen Historiker David Irving.
Nachdem Thomas Dunne, Verleger von St. Martins Press, Duzende von
Protestbriefen gegen diese Veröffentlichung erhalten hatte, gab Dunne
folgende verärgerte Stellungnahme ab:
»In einer Reihe von Anrufen, die wir erhielten, wurde mit Verärgerung
gefragt, wie wir nur ein Buch von "einem Mann wie David Irving" veröffentlichen
könnten, wobei unser moralisches Recht dazu in Frage gestellt wurde.
Ich kann dazu nur sagen, daß Joseph Goebbels in der Hölle lachen müßte.
Schließlich war er es, der nichts mehr liebte, als Bücher zu verbrennen,
Verleger zu bedrohen, Ideen zu unterdrücken und den Wert eines Gedanken
nicht etwa nach seinem Gehalt zu beurteilen, sondern nach der ethnischen,
rassischen oder politischen Reinheit seines Autors. Dies ist wahrlich
eine traurige Ironie.«
Die Kampagne gegen dieses Buch hielt einige Wochen an. Anfangs standen
die Verleger von St. Martin's noch zu ihrer Entscheidung und beharrten
darauf, daß sie an Irvings Biographie über Dr. Goebbels nichts Falsches
finden könnten. Der Druck jedoch verstärkte sich solange, bis der Verlagschef
Thomas McCormack schließlich die ursprüngliche Entscheidung rückgängig
machte. St. Martin's Press entschied sich letztlich, Irvings Band nicht
zu veröffentlichen, nachdem der Verleger von der "Feuerwehr" eine Reihe
von Morddrohungen erhalten hatte.[10] Weit davon
entfernt, diese Entscheidung zu kritisieren, hießen einige amerikanische
Blätter diese Entscheidung von St. Martin's Press sogar willkommen.
Womöglich hatte St. Martin's Press die Flammen im direkten wie im
übertragenen Sinne genährt. Sich derartiger Tyrannei zu unterwerfen
ist immer einfacher als ihr zu widerstehen. In Bradburys Roman sagt
Faber, eine emeritierter Professor:
»Ich habe schon seit langem erkannt, wie sich die Dinge entwickelten.
Ich habe nichts gesagt. Ich war einer der Unschuldigen, die etwas dagegen
hätten sagen können, als niemand den "Schuldigen" mehr zuhörte, aber
ich sagte nichts und wurde somit selbst schuldig. Und als sie schließlich
die Rahmen zur Bücherverbrennung mittels der Feuerwehr setzten, murrte
ich einige Male und wurde still, weil es außer mir kein Murren und Rufen
gab.«[11]
Fahrenheit 451-Trends sind wahrscheinlich in Deutschland, österreich
und Frankreich am virulentesten. Dr. Franz Scheidl war meines Wissens
der erste, der die massive Tätigkeit der "Feuerwehr" in Österreich bereits
Mitte der 60er Jahre zu spüren bekam, als ihm die "Feuerwehrleute" nicht
nur seine sechs Bücher[12] beschlagnahmten und
den Flammen übergaben, sondern ihn aufgrund seiner Hartnäckigkeit schließlich
psychiatrisch untersuchen ließen, ein Verfahren, das in österreich und
Deutschland erst 20 Jahre später in Mode kommen sollte.[13]
Zehn Jahre später publizierte Dr. Wilhelm Stäglich sein klassisches
Buch über den Auschwitz-Mythos,
das Anfang der 80er Jahre den Flammen der "Feuerwehr" übergeben wurde.[14]
Als Exempel wurde Dr. Stäglich zudem von der Universität Göttingen,
einst der strahlendste Stern am Firmament der modernen Wissenschaft,
der Doktortitel nach einem eigens von Adolf Hitler 1939 erlassenen,
bis heute gültigen Gesetz entzogen.[15]
Frankreich war bereits 1990 mit dem Gesetz Fabius-Gayssot einen Schritt
weiter in Richtung auf Fahrenheit 451 vorgeeilt. Dieses Gesetz stellt
das Leugnen von Verbrechen gegen die Menschheit, wie sie 1946 von den
alliierten Siegertribunalen in Nürnberg definiert wurden, unter Strafe.
Es wurde angeblich erlassen, um der Schändung jüdischer Friedhöfe entgegenzuwirken,
angewandt wird es aber im wesentlichen nur, um zeitgeschichtlich unerwünschte
Publikationen dem Feuer übergeben und deren Autoren zu empfindlichen
Geld- und Freiheitsstrafen verurteilen zu können.[16]
Österreich zog im Jahr 1992 gleich, und zwar als Reaktion auf die
publizistische Tätigkeit bestimmter Revisionisten, deren Flugzettel
bis in das Parlament gelangten.[17] Das erste Beinahe-Opfer
dieser neuen Inquisition wurde kein geringer als der Präsident der österreichischen
Bundesingenieurkammer W. Lüftl. Er konnte seinen Kopf aber noch knapp
aus der Schlinge ziehen, da er glaubhaft machen konnte, er habe seine
Schriften niemals publizieren wollen. Weniger glücklich dagegen war
ein Publizist, der die Einstellung des Verfahrens gegen Lüftl als Freibrief
zur Verbreitung von dessen Thesen mißverstand und sich prompt eine Gefängnisstrafe
einhandelte.[18]
Als der Lehrer Günter Deckert 1993/94 in Deutschland vor Gericht
gestellt wurde, weil er 1991 einen Vortrag des US-Hinrichtungsexperten
Frederic A. Leuchter übersetzt hatte, wurde in Deutschland ein weiterer
Schritt hin zu Fahrenheit 451 vollzogen. Leuchter hatte bei besagtem
Vortrag über sein berühmtes
Leuchter-Gutachten berichtet, das er im Jahre 1988 über die Funktions(un-)fähigkeit
der Gaskammern von Auschwitz und Majdanek erstellt hatte.
Nach einer Reihe öffentlicher Interventionen gelang es der "Feuerwehr"
in Deutschland schließlich, einen Richter zu finden, der Günter Deckert
für diese Übersetzung zwei Jahre hinter Gitter schickte.[19]
Da Deckert auch während seines Prozesses weitere unerwünschte Bücher
veröffentlichte und vertrieb[20], wurde er später,
als er bereits hinter Gittern saß, durch den »freiesten Staat deutscher
Geschichte« zu einer weiteren Freiheitsstrafe von 27 Monaten. verurteilt.
Deckerts Verteidiger wehrte sich mutig und stellte sogar den Antrag,
daß Verfahren einzustellen, da angesichts des massiven politischen Druckes
auf das Gericht ein faires Verfahren unmöglich sei.
Die Neue Osnabrücker Zeitung drückte angesichts dieses allgemein
für gerecht gehaltenen Urteils aus, was viele andere Zeitungen in Deutschland
auf andere Weisen auch taten: Es habe keinen Grund gegeben, die gegen
den Rechtsradikalen verhängte Strafe zur Bewährung auszusetzen. Deckert
habe nicht die Spur von Reue gezeigt. Darin freilich hatte die Presse
recht. Angeklagt, Leuchters Ansichten geteilt zu haben, erwiderte Deckert,
er stehe uneingeschränkt zu dem, was er gesagt habe.[21]
Als Folge der durch diesen Prozeß angefachten öffentlichen Hysterie
verschärfte der deutsche Gesetzgeber das deutsche Zensurgesetz §130
Strafgesetzbuch mit Wirkung zum Dezember 1994.
Verbrenn' es!
Die deutschen Fahrenheit 451-Trends konnten somit massiv zutage treten,
als Germar Rudolf im Dezember 1994 sein Sammelwerk des Titels
Grundlagen zur Zeitgeschichte:
Ein Handbuch über strittige Fragen des 20. Jahrhunderts publizierte.[22]
Rudolf, der bereits durch öffentliche wie juristische Kampagnen gegen
ihn infolge der Veröffentlichung seines
Auschwitz-Gutachtens[23]
unter dem Pseudonym Ernst Gauss schreiben mußte, - er hatte bis dahin
bereits zweimal Besuch von der deutschen "Feuerwehr" erhalten - bekam
im März 1995 zeitgleich mit seinem Verleger Grabert erneut unerfreulichen
Besuch durch die deutsche "Feuerwehr", die alle erreichbaren Exemplare
der Grundlagen zur Zeitgeschichte
konfiszierte.[24] Im Mai 1996 beschloß Richter
Burckhardt Stein vom Amtsgericht Tübingen, daß Rudolf, der nicht zu
seinem Gerichtstermin erschienen war, wegen der Herausgabe dieses
Buches ohne Verzug zu inhaftieren sei. Am 15. Juni 1996 schließlich
verkündete der Richter in seinem Urteil, daß alle Exemplare der
Grundlagen zur Zeitgeschichte
zu verbrennen und der Verleger zu einer hohen Geldstrafe zu verurteilen
sei. Nun mußte die "Feuerwehr" nicht länger im Dunklen arbeiten, sondern
konnte angesichts dieser staatlichen Anordnung ihren Mord an Ideen offen
ausführen.
Nicht zufrieden mit dieser Bücherverbrennung, hatten sie inzwischen
Rudolf wegen seines Auschwitz-Gutachtens zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt.
Bisher entkam er den Klauen seiner Häscher und schreibt nun im Exil.[25]
Seither wird Deutschland von einer Serie von Bücher- und Zeitschriftenverbrennungen
überzogen,[26] die seit der jüngst erfolgten Beschlagnahmung
des Buches Hellmut Diwald[27],
einem Gedenkband für den 1993 verstorbenen berühmten deutschen Historiker,
noch nicht einmal vor klassischer wissenschaftlicher Universitätsliteratur
halt macht.
In Bradburys Roman entdeckt Captain Beatty, daß der Romanheld Montag
in seinem Haus Bücher versteckt hält. Wegen dieses Vergehens besucht
die "Feuerwehr" Montag und befiehlt ihm, seine Bücher selbst zu verbrennen:
»Ich will, daß du ganz allein diese Arbeit machst, Montag. Nicht
mit Benzin und einem Streichholz, sondern in Akkordarbeit mit einem
Flammenwerfer. Es ist Ihr Haus, also auch Ihr Hausputz.«[28]
Während Montag sein Haus und seine wertvollen Bücher verbrennt, erklärt
Beatty, ähnlich wie Richter Stein:
»Sobald Sie fertig sind, stehen Sie unter Arrest.«[29]
Dies ist beileibe kein Einzelfall. Im Februar 1995 mußte John Sacks
erleben, wie sein Buch Auge um Auge, in dem die Geschichte jüdischer
Rache an Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg dargelegt wird, dem Reißwolf
übergeben wurde. Unter Bezug auf Informationen des deutschen Bundesarchives
berichtet Sack, daß zwischen 60.000 und 80.000 Deutsche zwischen 1945
und 1948 in polnischen Lagern ermordet wurden oder sonstwie verschwanden.
Von Deutschlands Establishment hagelte es schwere Vorwürfe. Das Buch
wurde als "sensationalistisch", "abstoßendes Dokudrama" und als ein
"Geschenk für Neonazis" abgewertet. Der Verleger sah sich schnell mit
Beschwerden überschwemmt. Alle 6.000 Exemplare der bereits gedruckten
deutschen Fassung befanden sich bereits in einem Stuttgart Lagerhaus,
als der Verleger Viktor Niemann des Piper-Verlages entschied, sie zu
vernichten. Am 13. Februar teilte der Verleger mit, sie würden recycliert
werden.[30]
Im Dezember 1996 ordneten die deutschen Behörden die Vernichtung
aller Exemplare des Buches
Nicht schuldig in
Nürnberg,[31] von Carlos W. Porter an, wie
üblich einschließlich aller Mittel zu dessen Herstellung. Porter, der
seinerzeit in Belgien lebte, wurde von der Vorsitzenden Richterin Zeilinger
in München per Strafbefehl wegen Verunglimpfung bestraft. Wegen Erstellung
und Verbreitung seiner revisionistischen Analyse der Nürnberger Siegertribunale
wurde Porter zu einer Geldstrafe von DM 6.000,- verurteilt.
Porters Ärger mit den deutschen Behörden hatte begonnen, als er im
August 1996 einige Exemplare seiner Broschüre mit einem Begleitschreiben
in die Bundesrepublik Deutschland sandte. Zeilinger warf Porter vor,
einige Abschnitte seiner revisionistischen Analyse würden die Erzählungen
über den "Holocaust" bestreiten oder verharmlosen.[32]
Das Streichholz entzünden
Eine der womöglich bewegendsten Szenen in Bradburys Roman ist die
Durchsuchung der Wohnung einer alten Dame, nachdem ihre Nachbarn den
Behörden verraten hatten, daß sie eine illegale Bibliothek aufgebaut
habe. Die "Feuerwehr" gießt ihr Benzin über die Bücher. Montag berichtet
darüber später seiner Frau:
»Wir verbrannten Exemplare von Dante, Swift und Marc Aurel.«[33]
Als die "Feuerwehrleute" versuchten, die alte Dame aus ihrem Haus
zu geleiten, weigerte diese sich. Die Dame ist zu stolz, um sich der
"Feuerwehr" unterzuordnen, und führt statt dessen die abschließende
Handlung ihrer Rebellion durch: Sie entzündet das Streichholz und verbrennt
sich selbst.
»Die Frau stand bewegungslos in der Eingangshalle. Sie taxierte sie
mit ihren Augen, ihre Ruhe glich einer Verdammung. Beatty schnippte
mit den Fingern, um das Kerosin anzuzünden. Er kam zu spät damit. Montag
stockte der Atem. Mit Verachtung für sie alle in den Augen holte die
Frau in der Vorhalle aus und entzündete ihr Streichholz an dem Geländer.«[34]
Im April 1995 wurde Reinhold Elstner in München in ein ähnliches
Schicksal getrieben. In seinem Abschiedsbrief beschwerte er sich bitter
darüber, daß eine Niagarflut von Lügen über Deutschland und seine Generation
hereinbreche. Er führte aus, daß er mit seinen 75 Jahren nicht mehr
viel tun könne. Durch seinen Märtyrertod hoffe er, den Deutschen ein
Signal zu setzen, um wieder zu Sinnen zu kommen. Auch wenn nur ein Deutscher
durch seine Tat erwache und dadurch seinen Weg zur Wahrheit fände, dann
sehe er seine Tat nicht als vergeblich an. Er sehe für sich keine andere
Möglichkeit mehr, jetzt, da nach 50 Jahren nur noch wenig Hoffnung bestehe,
daß die Vernunft die Oberhand behalte.[35]
Er ging zur Feldherrnhalle in München, goß Benzin über sich und entzündete
das Streichholz. Reinhold Elstner starb an seinen Verbrennungen im Krankenhaus.
Die Behörden haben die Publikation seines Abschiedsbriefes unter strenger
Strafandrohung verboten (bis zu fünf Jahre Haft) und erklärten es für
illegal, ihm zu Ehren Blumen an der Stelle niederzulegen, wo Elstner
sich verbrannte. Viele fragen sich, wie lange es gedauert hätte, bis
die deutsche "Feuerwehr" Elstner besucht hätte, hätte er sich nicht
zuvor selbst verbrannt.
Schlußfolgerungen
Heute begegnet man weltweit Verlegern, die Angst haben, bestimmte
Manuskripte auch nur anzufassen. Mutige Verleger müssen erleben, wie
ihre Drucker sich weigern, bestimmte Bücher zu drucken. Veröffentlichte
Werke unterliegen immer häufiger Einziehung und der Vernichtung durch
die "Feuerwehr". Autoren, Verleger, Herausgeber, Drucker, Setzer, Buchhändler,
Importeure und Buchkäufer werden wegen der Verbreitung unerwünschter
Schriften zu Geld- und Haftstrafen verurteilt.
Auf der ganzen Welt werden Nachrichten wie die von der Selbstverbrennung
von Reinhold Elstner totgeschwiegen. Wir sollen unseren Kopf mit auf
großen Bildschirmen präsentierten Sportereignissen, Shows, Spielfilmen
und bald auch mit dem Bildtelefon vollstopfen. Unser Geist soll selbst
auf Reisen von Laptop Computers und sogar durch On-flight Computerspiele
abgelenkt werden. Rechnergesteuerte »chat rooms« ermöglichen uns ein
"Gespräch" mit gesichtslosen Fremden. Wie weit sind wir noch entfernt
von Bradburys Fernseh-"Familien"? In Bradburys Roman ist einer der vier
Wänder jedes Raumes ein riesiger Fernseher, nicht aber bei Bradburys
Held. So gesteht denn auch Montags Frau, daß ihre Wohnung nicht mehr
die ihre sei, sondern die aller möglichen fremdartigen Leute, wenn auch
sie eine »vierte Wand« hätten[36].
Wenn in Fahrenheit 451 der Krieg erklärt wird, bekümmert das die
Leute kaum, weil es ein »schneller Krieg sein wird. 48 Stunden, haben
sie gesagt, und jeder ist wieder Zuhause. Das sagt jedenfalls die Armee.«[37]
Erinnert sich jemand daran, daß US-Präsident Clinton versprach, die
US-Truppen würden bereits im September 1996 von Bosnien heimkehren?
Niemanden scheint zu kümmern, daß sie auch heute noch dort sind. Das
Denken ist wahrlich selten geworden, vielleicht weil es so sehr mißbilligt
wird. Wie viele unserer Denker sind von dem beunruhigt, was sich heute
abspielt?
Wie viele von Ihnen, werte Leser, haben ihre Bücher und Zeitschriften
versteckt? Haben Sie bereits eine geheime Bibliothek eingerichtet? Haben
sie Angst um Ihre Freunde und um jene, die Sie lieben? Der Bursche Montag
versteckte seine Bücher:
»Er streckte sich nach oben und schob das Gitter der Klimaanlage
zurück, und griff weit nach hinten rechts, um hinter einem weiteren
metallenen Schieber ein Buch hervorzuholen.«[38]
Solche Verstecke sollte sich jeder von uns ausdenken, wenn die heutigen
Trends in Richtung Fahrenheit 451 nicht rückgängig gemacht werden können.
Ironischerweise berichtet Bradbury in seinem Buch über Zensur, daß
auch Fahrenheit 451 zensiert worden ist:
»Ich entdeckte, daß irgend welche Winkelverleger, die Angst hatten,
die Jugend zu infizieren, Stück für Stück 75 einzelne Abschnitte aus
dem Roman gestrichen hatten.«[39]
Lassen Sie uns den Dingen in die Augen sehen: die "Feuerwehr" ist
im großen Stile tätig. Unsere Zukunft hängt davon ab, daß die Wahrhaftigkeit
und die intellektuelle Freiheit sich wie Phönix aus der Asche der Gegenwart
erhebt.
Anmerkungen
Überarbeitete Fassung eines in The Last Ditch, Nr. 19, 19.12.1997,
WTM Enterprises Roanoke, IN, publizierten Artikels.
[1] James J. Martin, »Introduction«, in: Harry
Elmer Barnes, Barnes Against the Blackout, Institute for Historical
Review, Costa Mesa, CA, 1991, S. XVII.
[2] Harry E. Barnes, »Revisionism and the Promotion of Peace«,
in: ebenda, S. 273. Barnes Artikel erschien erstmalig in der Sommerausgabe
1958 von Liberation.
[3] Ray Bradbury, Fahrenheit 451, Ballantine Books, New York
1996, S. 58.
[4] Ebenda, S. 59.
[5] Vgl. Mark Weber, The Zionist Terror Network, Institute for
Historical Review, Newport Beach, CA, 1993, S. 16.
[6] Evening Standard, September 6, 1996.
[7] J.J. Martin, aaO. (Anm. 1), S. XVII; vgl. auch: M. Weber,
aaO. (Anm. 5), S. 11.
[8] R. Harwood,
Did
Six Million Really Die? The truth at last, Historical Review Press,
Richmond 1975
[9] »Traditional Enemy Torches Zuendel's Headquarters«, David
Irving's Action Report 9b, June 10, 1995 p. 1. Vgl. auch Power Letter,
17.5.1995, und The Toronto Sun, 8./9.5. 1995.
[10] »St Martin's Cancels Book On Goebbels«, The New York Times,
5.4.1996, S. D4.
[11] R. Bradbury, aaO. (Anm. 3), S. 82.
[12] F. Scheidl, Geschichte der Verfemung Deutschlands, 6 Bände,
Selbstverlag, Wien 1968.
[13] Die psychiatrischen Untersuchungen von Emil Lachout und
Andreas Röhler (Verlag der Freunde) wurden in diesen Heften des öfteren
Angesprochen, vgl. auch den Beitrag von P. Töpfer in diesem Heft.
[14] W. Stäglich, Der
Auschwitz-Mythos, Grabert, Tübingen 1997; Reprint erhältlich bei
VHO. Zur Einziehung vgl. W. Grabert, Geschichtsbetrachtung als Wagnis,
Grabert, Tübingen 1984
[15] R. Kosiek, Historikerstreit und Geschichtsrevision, Grabert-Verlag,
Tübingen 21988, S. 27f.; Das Freie Forum, 1983, Nr. 2, S. 5f.
[16] Einschlägig hierbei vor allem die Entziehung des Doktortitels
im Falle Henri Roques (vgl. A. Chelain, Faut-il fusiller Henri Roques?,
Polémiques, Ogmios Diffusion, Paris 1986), die diversen Strafverfahren
gegen Prof. R. Faurisson, V. Reynouard, und die Verbote der Publikationen
von VHO (Le
massacre d'Oradour, Le Rapport Rudolf), über die in VffG bereits
berichtet wurde.
[17] Der österreichische Poet und Revisionist G. Honsik verursachte
durch eines seiner Flugblätter über die angebliche Gaskammern im KL
Mauthausen entsprechenden Wirbel. Sein in den Medien stark beachteter
Prozeß war einer der Triebfedern für die Verschärfung der Zensur in
Österreich, vgl. W. Rademacher, Der Fall Lüftl, in: E. Gauss (Hg.),
aaO, (Anm. 20)
[18] Hans Moser, »Naturgesetze gelten für Nazis und Antifaschisten«,
Aula, 7-8 (1994), S. 15; vgl. »Ein rauhes Lüftl«, Bau, 5 (1995), S.
8; Staatsanwaltschaft Graz vs. Herwig Nachtmann, Az. 14 St 4566/94-8,
4.4.1995. Nachtmann erhielt 10 Monate auf Bewährung und mußte 240.000
ÖS Strafe zahlen (34.000 DM).
[19] Zum Deckert-Prozeß und zu vielen weiteren menschenrechtswidrigen
Verfolgungen vgl.
R. J. Eibicht (Hg.), Unterdrückung und Verfolgung Deutscher Patrioten.
Gesinnungsdiktatur in Deutschland?, Hutten Verlag, Viöl 1997.
[20] Es handelt sich dabei um das Buch von Günther Anntohn (Günter
Deckert) und Henri Roques, Der Fall Günter Deckert, DAGD/Germania Verlag,
Weinheim 1995 (LG Mannheim, (13) 5 Ns 67/96) sowie um den Vertrieb des
Buches von E. Gauss, (Hg.),
Grundlagen zur Zeitgeschichte,
Grabert, Tübingen 1994.
[21] »Corrupt German Court Jails Deckert for Two Years«, David
Irvings Action Report 9b, June 10, 1995, p. 2, vgl. auch: »Two-Year
Prison Sentence for "Holocaust Denial"«, The Journal of Historical Review
15 (3), (1995), S. 40ff.
[22] Anm. 20. Online:
http://www.codoh.com/inter/intgrundex.html.
[23] R. Kammerer, A. Solms (Hg.), Das Rudolf Gutachten, Cromwell,
London 1993. Online: http://www.vho.org/D/rga/rga.html
[24] »Revisionist Books Seized in German Police Raid«, JHR 15(3),
(1995), S. 43.
[25] Näheres zu dem Fall ist nachzulesen in: Wilhelm Schlesiger,
Der Fall Rudolf: Menschenrechtswidriger
Vernichtungsfeldzug gegen einen tadellosen Wissenschaftler, Cromwell
Press, Brighton/Sussex 1994; Herbert Verbeke,
Kardinalfragen zur Zeitgeschichte,
Vrij Historisch Onderzoek, Berchem 1996.
[26] Zum letzten
Stand der Buchbeschlagnahmungen vgl. die im Heft 4/1997 dieser Zeitschrift
veröffentlichten Liste.
[27] R. J. Eibicht,
Hellmut Diwald, Hohenrain,
Tübingen 1994.
[28] R. Bradbury, aaO. (Anm. 3), S. 116.
[29] R. Bradbury, aaO. (Anm. 3), S. 117.
[30] »Book Detailing Jewish Crimes Against Germans Banned«, JHR
15(1) (1995), S. 28, vgl. auch: »German Publisher Drops Book on Postwar
Camps for Nazis«, The New York Times, February 16, 1995. Das Buch erschien
dann doch einige Monate später im Hamburger Kabel-Verlag. Engl.: An
Eye for an Eye: The Untold Story of Jewish Revenge Against Germans in
1945, Basic Books (HarperCollins), New York 1993.
[31] Ninety
Eighty Four Press, Brighton 1996; engl.:
Not Guilty at Nuremberg:
The German Defense Case, ebenda.
[32] »Carlos Porter, sentenced in Germany says "Nuts" from Belgium«
Smith's Report Nr. 40, Februar 1997, S. 4f. Dokumente bezüglich Carlos
Porters Bestrafung sind im Internt zu finden unter:
http://www.codoh.com/germany/gerport.html.
[33] R. Bradbury, aaO. (Anm. 3), S. 50.
[34] R. Bradbury, aaO. (Anm. 3), S. 39f.
[35] Reinhold Elstner, »A Last Letter from One of Our Number«
David Irvings Action Report 10, July 5, 1996, S. 14. Ins Englische übersetzt
von Hans Schmidt. Vgl. auch: »A German Takes His Life to Protest Defamation
and Historical Lies« JHR 15(5) (1995), S. 23f.
[36] R. Bradbury, aaO. (Anm. 3), S. 20f.
[37] R. Bradbury, aaO. (Anm. 3), S. 94.
[38] R. Bradbury, aaO. (Anm. 3), S. 65.
[39] R. Bradbury, aaO. (Anm. 3), S. 177
Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 2(1) (1998),
S. 48-52.
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