15. Die Zahl der j├╝dischen Opfer

15.1. Die Ausgangslage

Als “jüdische Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung” definieren wir:

  • Alle von den Deutschen oder ihren Helfern getöteten Juden;
  • Alle in Konzentrations-, Arbeits- und Durchgangslagern sowie bei Überstellungen umgekommenen Juden, unabhängig von ihrer Todesursache.

Hingegen stufen wir Juden, deren Tod nichts mit ihrer Abstammung oder Religion zu tun hatte – z.B. im Kampf gefallene jüdische Partisanen oder Soldaten der Alliierten oder bei der Beschießung oder Belagerung von Städten umgekommene jüdische Zivilisten – ebenso wenig als “Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung” ein wie Juden, die von den Sowjets angesichts des deutschen Vormarsches nach Osten evakuiert wurden und während der Evakuierung oder an ihren Bestimmungsorten starben. Im Gegensatz zu uns rechnet der 1991 erschienene Sammelband Dimension des Völkermords[1] auch diese Kategorien von Juden zu den “Holocaust-Opfern”.

Einen Grenzfall stellen die Ghettos dar, in denen nach den Berechnungen des schwedischen Forschers Thomas Kues einige hunderttausende Juden starben.[2] Da ein erheblicher Teil dieser Menschen auch unter normalen Umständen den Tod gefunden hätte, geht es nicht an, sie pauschal als “Opfer des Nationalsozialismus” einzustufen, doch trugen die mangelhafte Ernährung sowie die Überfüllung der Ghettos, die zwangsläufig zum Ausbruch von Epidemien führten, natürlich zu der hohen Sterblichkeit bei.

Ein oberflächlicher Beobachter würde vielleicht annehmen, die Opferzahl ließe sich einfach durch einen Vergleich der jüdischen Vor- und Nachkriegsbevölkerung in den während des Krieges vom Deutschen Reich kontrollierten Ländern ermitteln, doch wäre dies aus zwei Gründen fehlerhaft:

Erstens würde hierbei die unmittelbar nach dem Krieg einsetzende Massenauswanderung europäischer Juden nach Übersee (Palästina, USA, Lateinamerika etc.) nicht berücksichtigt. Eine Vorstellung vom Ausmaß dieser Emigration vermittelt ein im Jahre 1978 in den USA erschienener Zeitungsartikel, in dem Folgendes zu lesen war:[3]

“Einst lebten die Steinbergs in einem kleinen jüdischen Dorf in Polen. Das war vor Hitlers Todeslagern. Nun hat sich eine mächtige Gruppe von über 200 Überlebenden und ihren Nachfahren hier gefunden, um gemeinsam an einer speziellen viertägigen Feier teilzunehmen. […] Verwandte kamen am Donnerstag aus Kanada, Frankreich, England, Argentinien, Kolumbien, Israel und aus wenigstens 13 Städten der USA.”

Zweitens trüge eine solche Berechnungsgrundlage der Tatsache nicht Rechnung, dass eine außerordentlich große Zahl sowjetischer und osteuropäischer Juden nach 1945 aus den Statistiken verschwand. Die Umwälzungen des Krieges beschleunigten die Assimilierung der Ostjuden drastisch; ein rasch wachsender Teil von ihnen übte ihre Religion nicht mehr aus und unterschied sich in Bezug auf Kleidung, Haartracht etc. nicht mehr von ihrer Umwelt. Bei sowjetischen Volkszählungen konnte jedermann die Nationalität, der er sich zugehörig fühlte, selbst wählen, so dass sich viele Juden als “Russen”, “Ukrainer” etc. registrieren ließen. Wie groß die Anzahl dieser aus den Statistiken verschwundenen Juden ist, lässt sich nicht in Erfahrung bringen. Allein schon aus diesem Grund ist es ein Ding der Unmöglichkeit, die Zahl der jüdischen Opfer auch nur annähernd zu ermitteln. Wie wir bald sehen werden, gibt es hierfür noch andere Gründe.

15.2. Die Sechsmillionenzahl

Die Zahl von sechs Millionen jüdischen Opfern beruht zunächst einmal auf den Aussagen zweier Nationalsozialisten der mittleren Garnitur, Dieter Wisliceny und Wilhelm Höttl. Wisliceny, ehemaliger Gestapo-Chef von Pressburg (Bratislava), legte sein Geständnis zunächst beim Internationalen Militärtribunal in Nürnberg und dann in tschechischer Haft ab. Da solche Geständnisse mit allen möglichen Mitteln, darunter Folter, erpresst werden konnten, ist ihr Wert natürlich gleich null. Wilhelm Höttl, ehemaliger Mitarbeiter Adolf Eichmanns in der Abteilung für Judenfragen im RSHA, wollte die Sechsmillionenzahl angeblich von Eichmann gehört haben.[4] Letzterer war damals unauffindbar, und Höttl nutzte die Chance, sich bei den Siegern in ein günstiges Licht zu setzen, indem er die NS-Regierung möglichst schwer belastete. Dies wurde ihm honoriert: Er kam nie auf die Anklagebank. Eichmann wurde 1960 von israelischen Agenten aus seinem argentinischen Exil entführt und 1962 nach einem Schauprozess, bei dem er bestritt, Höttl gegenüber jemals eine solche Zahl genannt zu haben,[5] hingerichtet.

Gehen wir in den Mai 1942 zurück, so erfahren wir verwundert, dass Nahum Goldmann, späterer Präsident des Jüdischen Weltkongresses, damals verkündete, von den “acht Millionen Juden in Hitlers Herrschaftsbereich”  – eine stark übertriebene Zahl – würden nur zwei bis drei Millionen überleben.[6] Damals soll der Holocaust eben erst begonnen haben – woher kannte Goldmann die spätere Opferzahl?

Unsere Verblüffung nimmt ungeahnte Ausmaße an, wenn wir zu einem am 31. Oktober 1919 in der Zeitung The American Hebrew erschienenen Artikel greifen. Dort ist von einem “Holocaust” (sic!) in Osteuropa die Rede, der “sechs Millionen jüdischer Männer, Frauen und Kinder” bedrohe. Die Sechsmillionenzahl erscheint nicht weniger als siebenmal. Don Heddesheimer hat gezeigt, dass die Zahl von 6 Millionen leidenden oder vom Tod bedrohten Juden in jüdischen Medien seit Ende des 19. Jahrhunderts immer wieder aufgetaucht ist.[7] Einen Kommentar hierzu schenken wir uns.

15.3. Walter Sanning und Wolfgang Benz

Erstaunlicherweise gibt es bis heute erst zwei Studien, welche die Frage nach den jüdischen Bevölkerungsverlusten im Zweiten Weltkrieg eingehend behandeln. 1983 veröffentlichte der Revisionist Walter Sanning ein Buch mit dem Titel Die Auflösung des osteuropäischen Judentums,[8] das fast ausschließlich auf jüdischen Quellen beruhte und die Zahl der jüdischen Verfolgungsopfer auf rund 300.000 bezifferte. Acht Jahre später konterten die Vertreter des orthodoxen Geschichtsbildes mit dem bereits erwähnten, von Wolfgang Benz herausgegebenen Sammelband Dimension des Völkermords, laut dem die Zahl der Holocaust-Opfer zwischen 5,29 und 6,01 Millionen lag.302 Bezeichnenderweise setzten sich Benz und seine Mitautoren jedoch nicht mit Sannings Buch auseinander und erwähnten dieses lediglich abfällig in einer Fußnote![9]

Sannings Beweisführung bietet in etlichen Punkten Anlass zur Kritik. Der Autor ignoriert das wichtigste Dokument der Kriegszeit über die Judendeportationen, den Korherr-Bericht, und stützt sich stark auf die Erklärungen des sowjetjüdischen Propagandisten David Bergelson, dem zufolge 80% der sowjetischen Juden vor dem Eintreffen der deutschen Truppen evakuiert worden waren. Der wirkliche Prozentsatz dürfte bedeutend niedriger gewesen sein. Sannings Gesamtopferzahl von 300.000 jüdischen Opfern ist mit Sicherheit viel zu niedrig, denn allein in Konzentrations- und Arbeitslagern kamen, wie wir bald sehen werden, bis zu 350.000 Juden um. Hervorragende Arbeit leistet Sanning hingegen bei der Berechnung der jüdischen Nachkriegsemigration. Er weist nach, dass ab 1945 über anderthalb Millionen europäische Juden nach Übersee emigriert sind.

Wenden wir uns dem Benz-Sammelband zu. Um die in der Holocaust-Literatur postulierte Zahl jüdischer Opfer zu erhärten, machen sich die Autoren zahlreicher dreister Betrügereien schuldig, die Germar Rudolf in einem Vergleich der Werke von Sanning und Benz aufgezeigt hat:[10]

  • Während des Zweiten Weltkriegs und danach wechselten viele osteuropäische Territorien ihren Besitzer. Juden, die in diesen Gebieten tatsächlich oder angeblich umkamen, werden von Benz und seinem Team oft doppelt gezählt, als Bürger von Staat A und von Staat B. Insgesamt weist Rudolf 533.193 solcher Doppelzählungen nach.
  • Im Kampf gefallene Rotarmisten und Partisanen sowie Opfer sowjetischer Deportationen gelten bei Benz als Holocaust-Opfer.
  • Die polnische Vorkriegsbevölkerung wird um mehrere Hunderttausend zu hoch angesetzt.
  • So etwas wie eine jüdische Auswanderung nach dem Krieg gab es für Benz und seine Leute praktisch nicht. Jeder Jude, der nach dem Krieg nicht mehr an seinem alten Wohnsitz lebte, war für sie von den Deutschen ermordet worden.

15.4. Die einzelnen Opferkategorien

15.4.1. In Konzentrations- und Arbeitslagern umgekommene Juden

Die Zahl der in Konzentrations- und Arbeitslagern umgekommenen Juden lässt sich zumindest der Größenordnung nach ermitteln. Durch eine Fügung des Schicksals verfügen wir für die sieben größten KL über teils sehr genaue, teils relativ genaue statistische Unterlagen, die folgendes Bild über die Zahl der dort umgekommenen (jüdischen und nichtjüdischen) Häftlinge ergeben:

Auschwitz:                        ca. 135.500122

Mauthausen:                         86.195[11]

Majdanek:                    42.200[12] – 50.000[13]

Buchenwald:                         33.462[14]

Dachau:                                27.83953

Stutthof:                                26.100[15]

Sachsenhausen:                     20.575[16]

Dies ergibt eine Gesamtzahl von ca. 379.000 bis 387.000 Toten.

Für Mauthausen, Buchenwald und Dachau übernehmen wir die Zahlen der offiziellen Geschichtsschreibung, da wir dieser hier keine Übertreibungen nachweisen können. Hingegen übertreiben die orthodoxen Historiker die Opferzahlen für die restlichen vier Lager in unterschiedlich großem Ausmaß; hier haben wir die erforderlichen Korrekturen vorgenommen.

Für die restlichen sieben Lager (Flossenbürg, Groß-Rosen, Dora-Mittelbau, Bergen-Belsen, Neuengamme, Natzweiler und Ravensbrück) besitzen wir keine vollständigen Unterlagen. Hier stehen uns lediglich die unvollständigen Daten zur Verfügung, die das Sonderstandesamt Arolsen veröffentlicht hat. Laut einer im Jahre 1991 von Arolsen versandten Broschüre waren für diese Lager insgesamt 53.445 Todesfälle registriert,[17] doch Arolsen verzeichnet lediglich Fälle, bei denen die Opfer mit Vor- und Familiennamen bekannt sind. Dokumente, aus denen nur die Anzahl der während eines gewissen Zeitraums in einem bestimmten Lager verstorbenen Häftlinge hervorgeht, werden nicht berücksichtigt.

Vergleicht man die Zahlen Arolsens für die sieben größten Lager mit den wirklichen, so stellt man fest, dass sie ziemlich genau die Hälfte letzterer betragen. Geht man von der Hypothese aus, dass dies auch bei den restlichen sieben Lagern der Fall war, ergeben sich für diese insgesamt ca. 107.000 Opfer.[18] Addiert man diese Zahl zu derjenigen der in den sieben größten KLs Umgekommenen, kommt man auf 479.000 bis 494.000 Sterbefälle.

Den Anteil der Juden an den gestorbenen KL-Häftlingen können wir nicht genau bestimmen, da wir hierzu keine Unterlagen besitzen. In Auschwitz dürfte er etwa die Hälfte ausgemacht haben, in Majdanek betrug er ziemlich genau zwei Drittel, in Stutthof die große Mehrheit. In allen westlichen Lagern außer Bergen-Belsen machten Juden lediglich eine Minderheit der Häftlinge und Opfer aus.

Wir gehen von der Hypothese aus, dass ca. die Hälfte der in den Lagern umgekommenen Menschen Juden waren, und kommen somit auf eine geschätzte Zahl von 240.000 bis 247.000 jüdischen Opfern der Konzentrationslager.

Zusätzlich zu den offiziellen Konzentrationslagern gab es im Osten eine große Zahl jüdischer Arbeitslager. Raul Hilberg behauptet ohne Quellenangabe, in diesen Lagern seien insgesamt 100.000 Juden umgekommen.[19] Wenn wir diese Zahl als Arbeitshypothese akzeptieren, gelangen wir auf insgesamt 340.000 bis 347.000 (oder aufgerundet 350.000) in Konzentrations- und Arbeitslagern gestorbene Juden. Dies ist mit großer Wahrscheinlichkeit die Maximalzahl.

15.4.2. Die sonstigen Opferkategorien

Hinsichtlich der übrigen Opferkategorien tappen wir im Dunkeln. In Ermangelung zuverlässiger Dokumente können wir keine Zahl an der Ostfront erschossener Juden nennen. Ebenso wenig kennen wir die Anzahl der Juden, die in den Durchgangslagern Chelmno, Belzec, Sobibor und Treblinka – oder bereits auf dem Weg dorthin – den Tod fanden. Schließlich wissen wir nicht, ein wie großer Teil der in die Ostgebiete umgesiedelten Juden dort starb, während diese Territorien noch deutscher Kontrolle unterstanden. Die Zahl der in den Ghettos Verstorbenen kennen wir nur der Größenordnung nach, und wir wissen nicht, für einen wie großen Teil der betreffenden Todesfälle die deutsche Politik unmittelbar verantwortlich war. Aus all diesen Gründen verzichten wir auf eine Schätzung der jüdischen Gesamtverluste. Wir sind aber der Ansicht, dass die Opferzahl nicht unter einer Million liegt – von dieser Zahl ging der revisionistische Pionier Paul Rassinier einst aus.

 

[1]     Wolfgang Benz (Hg.), Dimension des Völkermords, Berlin 1991.

[2]     Mitteilung von T. Kues an den Verfasser. Kues stützt sich hier auf eine im Entstehen begriffene Studie.

[3]     State Time, Baton Rouge (Louisiana), 24. November 1978, zitiert nach S. Thion, aaO. (Anm. 186), S. 325f.

[4]     IMT, Band XXXI, S. 85ff.

[5]     Rudolf Aschenauer, Ich, Adolf Eichmann, Leoni 1980, S. 460f., 473ff., 494.

[6]     M. Gilbert, Auschwitz und die Alliierten, München 1982, S. 44.

[7]     Don Heddesheimer, Der Erste Holocaust, Hastings 2003.

[8]     Walter Sanning, Die Auflösung des osteuropäischen Judentums, Tübingen 1983.

[9]     W. Benz (Hg.), Dimension des Völkermords, aaO., S. 558.

[10]    Germar Rudolf, “Statistisches über die Holocaust-Opfer. W. Benz und W. N. Sanning im Vergleich”, in: E. Gauss (Hg.), aaO. (Anm. 212), S. 141-168.

[11]    Hans Marsalek, Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen, Wien 1980, S. 156ff.

[12]    J. Graf, C. Mattogno, aaO. (Anm. 216), Kapitel 4.

[13]    T. Kranz behauptet, in Majdanek seien 78.000 Häftlinge umgekommen. Diese Zahl ist um mindestens 28.000 übertrieben, so dass die Höchstzahl 50.000 beträgt; siehe Kapitel 5.2.

[14]    Eugen Kogon, Der SS-Staat, München 1946.

[15]    J. Graf, C. Mattogno, aaO. (Anm. 300), Kapitel III, 5.

[16]    C. Mattogno, “KL Sachsenhausen. Stärkemeldungen und ‚Vernichtungsaktionen’”, Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1/2003.

[17]    Flossenbürg: 18.334; Groß-Rosen: 10.950; Dora-Mittelbau: 7.467; Bergen-Belsen: 6.853; Neuengamme: 5,780; Natzweiler: 4.431; Ravensbrück: 3.640.

[18]    J. Graf, “National Socialist Concentration Camps. Legend and Reality” in: G. Rudolf (Hg.), aaO. (Anm. 210), S.

[19]    R. Hilberg, aaO. (Anm. 59), S. 1299.