Die Deportation ungarischer Juden von Mai bis Juli 1944
Eine provisorische Bilanz
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Published: 2001-01-12

Jürgen Grafs Artikel »Was geschah mit den nach Auschwitz deportierten, jedoch dort nicht registrierten Juden?«[1] sowie die von Arthur Butz unter dem Titel »Was widerfuhr den ungarischen Juden? Eine Antwort an Jürgen Graf«[2] darauf verfaßte Entgegnung hat im revisionistischen Lager die Diskussion über die heikle Frage der Judendeportationen aus Ungarn von Mai bis Juli 1944 neu entfacht. Mit diesem Thema haben sich dann auch Richard A. Widmann[3] und Samuel Crowell[4] auseinandergesetzt.

Die von mir im Verlauf der letzten Jahre erworbenen, den Spezialisten noch unbekannten Dokumente sowie die Neuinterpretation bereits bekannter Urkunden im Lichte der neuen Dokumentenfunde ermöglichen es mir nun, eine provisorische Bilanz der Frage zu erstellen, die fraglos den Ausgangspunkt für künftige, weitergehende Studien bilden dürfte.

Die Ausgangslage

In der ersten Ausgabe des Kalendariums von Auschwitz[5] sind 91 Transporte von Juden aus Ungarn verzeichnet, welche in den Zeitraum zwischen dem 2. Mai und dem 18. Oktober 1944 fallen. Insgesamt wurden 29.159 dieser Deportierten im Lager Auschwitz registriert.[6] In bezug auf das Schicksal der Nichtregistrierten vermeldet das Kalendarium jeweils lapidar:[7]

»Die übrigen wurden vergast.«

In seinem Artikel »Essai de détermination du nombre de morts au camp d'Auschwitz«[8] stützte sich der französisch-jüdische Historiker Georges Wellers zwecks Ermittlung der Opferzahl des Lagers auf Danuta Czechs Kalendarium. Hinsichtlich Ungarns behauptete er, es seien in 87 Zügen 437.402 Juden aus diesem Land nach Auschwitz gebracht worden, was eine durchschnittliche Transportstärke von 5.028 Personen ergibt. Nach Abzug der Registrierten - deren Zahl er mit 27.758 angibt - gelangte Wellers zur Schlußfolgerung, in Auschwitz hätten 409.640 Juden aus Ungarn in Gaskammern den Tod gefunden.[9]

In meiner gegen den Wellers-Artikel gerichteten Kritik Wellers e i "gasati" di Auschwitz,[6] wies ich auf einen schreienden Widerspruch bezüglich der ungarischen Juden im Kalendarium hin: Unter Anklagepunkt 112 wurde beim Jerusalemer Eichmann-Prozeß - unter Berufung auf einen Bericht des ungarischen Oberstleutnants Ferenczy vom 9. Juli 1944[10] - behauptet, zwischen Mitte Mai und dem 8. Juli 1944 seien in 147 Zügen 434.351. Juden aus Ungarn deportiert worden,[11] doch das Kalendarium spricht lediglich von 91 Zügen, von denen 33 nach dem 11. Juli (dem Datum des Eintreffens des letzten, am 8. Juli aus Budapest abgefahrenen Zuges) in Auschwitz angelangt seien.[12] Somit drängte sich unweigerlich der Schluß auf, daß in Auschwitz bis zum 11. Juli nur die 58 im Kalendarium erwähnten Züge eingetroffen sind und daß es die restlichen 33 nicht gegeben hat.[13] Ehe ich diese Schlußfolgerung akzeptierte, unterbreitete ich die Fragestellung mehreren auf das Studium des "Holocaust" spezialisierten Instituten - dem Institut für Zeitgeschichte (am 17. Februar 1986), der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen (am 21. Februar 1986), dem Centre de la Documentation Juive Contemporaine (am 14. April 1986), der Wiener Library (ebenfalls am 14. April 1986), Yad Vashem (am 21. Januar 1987), dem Auschwitz-Museum (gleichfalls am 21. Januar 1987) sowie natürlich Wellers persönlich (am 17. Februar 1986). Keiner der Angeschriebenen sah sich in der Lage, diesen Widerspruch zu klären. Am 15. April 1987, als meine oben erwähnte Studie bereits veröffentlicht war, bekam ich schließlich eine Antwort vom Auschwitz-Museum, das sich wie folgt äußerte:

  1. Ein Teil der in Auschwitz angelangten ungarischen Juden wurde unregistriert dem sogenannten Depotlager oder Durchgangslager zugewiesen. Ein Teil der Betreffenden wurde dann nach und nach im Lager registriert. Deswegen beziehen sich die nach dem 11. Juli erfolgten Registrierungen nicht auf die Ungarntransporte, sondern auf Zugänge aus dem Durchgangslager.
  2. Die Registrierung der ungarischen Juden erfolgte kumulativ, so daß eine Registrierung sich auf mehrere am selben Tag angekommene Transporte beziehen konnte.

Diese Erklärung wurde zwei Jahre später von Danuta Czech in der zweiten Ausgabe ihres Kalendariums[14] übernommen.

Dort gibt die Verfasserin an, ein Teil der nach Auschwitz verschleppten ungarischen Juden sei in den Sektoren BIIe, BIIc, BIIb und BIII von Birkenau untergebracht worden, die in den Dokumenten als »Durchgangslager KL Auschwitz II« bezeichnet werden.[15] Die sich auf die ungarischen Juden beziehenden Registrierungen werden zudem oft mit dem Vermerk »Aus den Transporten des RSHA aus Ungarn« gekennzeichnet,[16] wodurch D. Czech zu verstehen gibt, daß ein und dieselbe Registrierung mehrere Transporte erfaßte.

Ungarische Juden im Frühjahr 1944 bei ihrer Ankunft an der Rampe im KL Auschwitz-Birkenau. Im Hintergrund sind die Schornsteine der Krematorien II und III zu sehen - freilich ohne jede Rauchentwicklung (Pfeile).[17]

Ganz nebenbei sei darauf hingewiesen, daß das Auschwitz-Museum die Wahrheit über das Birkenauer Durchgangslager schon lange vor der Publikation der ersten Kalendarium-Auflage kannte. Beispielsweise hatte bereits beim Prozeß gegen den ersten Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß ein beim Auschwitz-Museum hoch im Kurs stehender Zeuge, Otto Wolken, erklärt, die ungarischen Jüdinnen seien anfangs im Lager BIIIc einquartiert worden, wo sie in Schichten hätten schlafen müssen; darauf habe man sie in den Bauabschnitt III verlegt, wo 50.000 von ihnen untergebracht worden seien.[18]

1946, ein Jahr vor dem Höß-Prozeß, war in einer wichtigen polnischen Dokumentensammlung die Abschrift eines Briefs des Leiters der Verwaltung von Auschwitz II (Birkenau) an den Leiter der Zentralverwaltung veröffentlicht worden, in dem es hieß, das Lager BII von Birkenau werde »als Aufnahme- und Durchgangslager benutzt[19] Außerdem war auch die in der zweiten Kalendarium-Auflage figurierende, von mir im folgenden Abschnitt analysierte Information betreffs der Anwesenheit von 30.000 nicht im Lager registrierten, im Durchgangslager befindlichen ungarischen Juden[20] schon seit dem Höß-Prozeß bekannt. Dies bedeutet, daß das Auschwitz-Museum die Wahrheit so lange verschwieg, wie es nur ging.

1989 hat Jean-Claude Pressac die in meiner Schrift gegen Wellers dargelegte, vorsichtig formulierte Schlußfolgerung akzeptiert, daß unter der (unbegründeten) Annahme, alle 91 in der ersten Kalendarium-Ausgabe erwähnten Züge seien in Auschwitz eingetroffen, von ca. 271.000[21] in jenes Lager deportierten ungarischen Juden auszugehen ist. In seinem ersten Auschwitz-Buch hatte Pressac noch von 200.000 bis 250.000 in Auschwitz vergasten ungarischen Juden gesprochen;[22] auf diese Zahlen war er offenbar gekommen, indem er die von mir errechnete Zahl von 271.000 nach Auschwitz deportierten Juden übernahm, davon die 29.000 im Lager registrierten abzog und aus Sicherheitsgründen einen breiten Spielraum ließ (271.000 weniger 29.000 ergibt 242.000).

1993 akzeptierte Pressac auch meine rigorosere Schlußfolgerung. Er faßte die oben skizzierte Problematik kurz zusammen und schrieb, nach den Angaben der 2. Ausgabe des Kalendariums seien zwischen dem 2. Mai und dem 11. Juli 1944 53 Judentransporte aus Ungarn in Auschwitz angelangt,[23] was ungefähr 160.000 Deportierten entspreche.[24] Pressac tischt noch eine zweite Zahl Deportierter auf - 240.000 -, die jedoch auf falschen Ausgangsziffern fußt. Er meinte nämlich, von Auschwitz seien 20.000 bis 30.000 ungarische Jüdinnen nach Stutthof überstellt worden. Zusammen mit den rund 28.000 Registrierten und den ca. 25.000 in andere Lager Transferierten ergäbe sich dann eine Ziffer von 80.000. Diese - durchwegs arbeitsfähigen - Häftlinge sollen einem Drittel der Deportierten entsprochen haben, womit sich deren Gesamtzahl auf 240.000 beliefe.[25] Doch in Wirklichkeit wurden bloß etwa 12.100 ungarische Jüdinnen nach Stutthof überstellt.

Am 15. Juni 1995 gewährte Pressac einer Valérie Igounet ein Interview, in dem er folgendes zu Protokoll gab:[26]

»Was die ungarischen Juden anbelangt, so hatte er [Mattogno] recht, als er 1987 schrieb, die Deportationen hätten von Mai bis Juni [richtig: bis Anfang Juli] stattgefunden, wohingegen Danuta Czech, die polnische Herausgeberin des "Kalendariums der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945", und auch Georges Wellers, der diese Quelle ungeprüft verwendete, behauptet haben, sie hätten von Mai bis Oktober gedauert. Wellers lehnte es ab, mit Mattogno bezüglich dieser Frage in einen Briefwechsel zu treten, da er davon ausging, daß man mit Revisionisten nicht diskutiert. Von einem übereifrigen Richter wurde sogar ein [internationaler] Haftbefehl gegen Mattogno erlassen, für den Fall, daß er französisches Territorium betreten sollte. Die Czech hatte in den sechziger Jahren ihr "Kalendarium" veröffentlicht, anhand dessen Wellers die Zahl der Auschwitz-Opfer errechnete (1,6 Millionen anstatt [der damals noch vom Auschwitz-Museum geltend gemachten] vier Millionen). Eine korrigierte, zweite Auflage des "Kalendariums" erschien 1989. Von den [in der ersten Auflage] erwähnten 91 Transporten blieben nur noch etwa 50 übrig. Die Czech hatte sich getäuscht und die lagerinternen Verschiebungen in Birkenau für Transporte gehalten. [...]

Da nun nur noch 50 Transporte übriggeblieben waren, die 150.000 Menschen umfaßten anstelle der ursprünglich angenommenen 438.000, erhöhte die Czech "zur Kompensation" die Zahl der im Mai und Juni eingetroffenen Transporte, indem sie - ohne Beweise - behauptete, an diesem oder jenem Tag seien in Birkenau "Transporte" anstelle "eines Transportes" eingetroffen, womit sie sich einer Geschichtsfälschung schuldig machte. Doch gegen die Czech wurde kein internationaler Haftbefehl erlassen. Was die Berechnungen Wellers' betrifft, so sind sie seit der Veröffentlichung der zweiten "Kalendarium"-Auflage nichts mehr wert, was die Polen freilich nicht daran hindert, die falschen Ergebnisse Wellers' als "seriöse" Quelle anzuführen.«

Um der Genauigkeit willen weise ich darauf hin, daß mir Wellers 1987 einen höchst anmaßenden Brief schrieb, in dem er mir vorwarf, »die geschichtliche Wahrheit zu verformen«. Offenbar hatte es ihm gar nicht behagt, daß ich in meiner Studie Wellers e i "gasati" di Auschwitz[6] seine Betrügereien aufgedeckt hatte, mittels welcher dieser ach so integre Anprangerer angeblicher Fälscher 594.191 "vergaste" Juden erfunden hatte!

Auf die These von Arthur Butz gehe ich am Ende dieses Aufsatzes ein.

Das allgemeine Problem der Deportation ungarischer Juden umfaßt mehrere spezifische Punkte, die man unbedingt genauer analysieren muß, will man zu einer fundierten Schlußfolgerung gelangen.

Wieviele ungarische Juden wurden nach Auschwitz deportiert?

Am 22. August 1944 erstellte ein Angehöriger der geheimen Widerstandsbewegung in Auschwitz, der unter dem Pseudonym »Urban« aktiv war, eine ausführliche Statistik der Lagerstärke am Vortage, also am 21. August. In dieser Tabelle wird die Anzahl der Internierten per Lager und per Häftlingskategorie angegeben. Die Gesamtzahl der Gefangenen betrug dieser Statistik zufolge 104.891, die sich wie folgt verteilten:[27]

Auschwitz I: 15.974[28]
Auschwitz II: 19.424
Auschwitz III: 30.539
Frauenkonzentrationslager: 38.954[29]

Diese Ziffern dürfen als verläßlich eingestuft werden, wie sich aus der einzigen dokumentarisch belegten Vergleichsmöglichkeit ergibt: Laut dem statistischen Rapport »Arbeitseinsatz« vom 21. August 1944 belief sich die Lagerstärke von Birkenau - also Auschwitz II - auf 19.468 Häftlinge,[30] was mit der obigen Zahl annähernd identisch ist.

»Urban« erwähnt die Anwesenheit von 11.821 registrierten männlichen ungarischen Juden im Lager Auschwitz. Davon befanden sich 3.881 in Auschwitz I und 7.940 in Auschwitz III (Monowitz). Zudem waren 16.187 ungarische Jüdinnen im FKL[31] von Auschwitz II untergebracht. Insgesamt befanden sich also am 21. August 1944 28.008 registrierte ungarische Juden und Jüdinnen im Lagerkomplex Auschwitz.

Sind auch diese Ziffern verläßlich?

Aus der »Liste der Judentransporte«,[32] die ausschließlich die Registrierungen unter den Seriennummern A und B enthalten, wissen wir, daß bis zum 21. August 1944 12.374 männliche ungarische Juden sowie 15.288 ungarische Jüdinnen in Auschwitz registriert worden waren, insgesamt also 27.662 jüdische Menschen aus Ungarn. Doch wurden ungarische Juden auch unter der gewöhnlichen Seriennummer registriert. So wurden aus den beiden Judentransporten, welche am 29. April 1944 aus Ungarn abgefahren war, am 2. Mai in Auschwitz 486 Männer (Seriennummern 186645-187130) und 616 Frauen (Seriennummern 76385-76459 und 80000-80540) in die Registratur aufgenommen. Damit wächst die Zahl der registrierten ungarischen Juden auf 28.764 (12.860 Männer sowie 15.904 Frauen) an. »Urban« spricht hingegen von 16.187 ungarischen Juden. Dies erklärt sich damit, daß kleine Gruppen ungarischer Juden zusammen mit anderen Transporten eintrafen. Beispielsweise sind am 1. April 1944 mindestens 10 ungarische Juden mit Nummern zwischen 177354 und 178122 registriert worden[33].

Man darf also schließen, daß die Zahl der ab 17. Mai 1944 aus Ungarn eingetroffenen registrierten Juden, die sich am 21. August in Auschwitz befanden, rund 27.500 betrug.

In seinem statistischen Rapport berichtet »Urban«:[34]

»In Birkenau halten sich außer den oben erwähnten [Häftlingen] rund 30.000 nichtregistrierte ungarische Juden auf, die für das Gas bestimmt sind. Diese Zahl ist Schwankungen unterworfen. [...] Dazu kommt noch die - ebenfalls Schwankungen unterworfene - Zahl der "Durchgangshäftlinge", im Moment 30.000 ungarische Juden.«

Auch hier gilt es zu ermitteln, wie zuverlässig diese Zahlenangaben sind. Dazu ist es vor allem notwendig, sich vor Augen zu halten, wie die Aufnahme ungarischer Juden in Auschwitz konkret verlief.

Das »Durchgangslager« von Birkenau

Nach ihrem Eintreffen in Auschwitz wurden die ungarischen Juden in drei Kategorien unterteilt:

  1. Arbeitsfähige, die gleich nach Ankunft im Lager registriert wurden.
  2. Nicht registrierte Arbeitsfähige.
  3. Nicht registrierte Arbeitsunfähige.

Die sofort nach Ankunft registrierten Häftlinge wurden im Lager selbst zur Arbeit eingesetzt.

Die nicht registrierten Arbeitsfähigen kamen ins Durchgangslager, das aus dem Lager BIIc, einem Teil des Lagers BIIa und später noch einem Teil des Lagers BIIe und des Lagers BIII bestand.

Ein unveröffentlichtes, bedeutsames deutsches Dokument erhellt, auf welche Weise der Empfang der zur letzten Kategorie gehörenden Häftlinge erfolgte. Am 26. Juni 1944 beklagte sich die Leitung des KL Dachau bei der Verwaltung von Auschwitz darüber, daß aus Auschwitz überstellte und am 15. Juni in Kauferling, einem Nebenlager von Dachau, eingetroffene Gefangene nur mit Lumpen bekleidet waren. Der Chef der Häftlings-Bekleidungs-Kammern von Birkenau schrieb der Lagerverwaltung zu seiner Rechtfertigung einen Brief, aus dem ich den wichtigsten Abschnitt zitiere:[35]

»Zur Aufklärung des Sachverhaltes wird im Nachstehenden der gesamte Vorgang vom Eintreffen der ungarischen Judenhäftlinge bis zur Bahnverladung beschrieben. Nach Eintreffen der Zugänge im hiesigen Konzentrationslager werden den Häftlingen die gesamten Zivil-Bekleidungsstücke abgenommen, und nach gründlichst durchgeführter Entlausung werden diese Häftlinge mit den von der Verwaltung zur Verfügung gestellten Häftl.Bekleidungssorten eingekleidet. [...]

Nachdem die einzelnen Zugangstransporte eingekleidet sind, werde diese in das Durchgangslager K.L. Auschwitz II überstellt und vom Arbeitsdienstführer Uscha [Unterscharführer] Olexius übernommen. Dieser stellt über die Bekleidungssorten, mit denen die Zugänge bekleidet sind, eine Quittung aus, aus welcher ersichtlich ist, mit welchen Bekleidungsstücken die Häftlinge versehen sind. Diese Quittung wird zur Einsichtnahme vorgelegt. Im Durchgangslager verbleiben die Zugänge mehrere Tage / bis zu 2-3 Wochen. Mit Rücksicht auf den Mangel an ausreichenden Unterkünften sind in jeder Baracke, welche für einen Normalbeleg von 300 Häftlingen vorgesehen ist, 1000 bis 1200 Häftlinge untergebracht. Schon dieser Umstand bedingt eine starke Verunreinigung der Bekleidungsstücke. Im Durchgangslager werden aus den dort untergebrachten Häftlingen Transporte zusammengestellt und diese ins Quarantänelager verlegt, wo sie bis zum Abtransport mehrere Tage verbleiben. [...]

Die Bekleidungskammern K.L. Auschwitz II haben seit dem 16.5. 1944 bis heute ca. 57.000 Häftlinge eingekleidet und 48 Transporte mit 45.132 Häftlingen für den Abtransport abgefertigt, ohne daß bisher die geringste Beschwerde eingelaufen wäre.«

Das Quarantänelager war mit dem Lager BIIa identisch. In Moskau haben J. Graf und ich einen wichtigen Bericht über die Funktion dieses Lagers als "Durchgangslager" für die ungarischen Juden entdeckt. Das auf den 26. Juli 1944 datierte Dokument ist nur unvollständig erhalten (die zweite Seite fehlt, und der rechte Rand ist teilweise abgebröckelt). Die Überschrift lautet wie folgt:

»HKB Ambulanz BII/a. Auschwitz II. Monatsberichte über vorübergehend im Lager untergebrachte u[ngarische Juden]

Der Bericht deckt den Zeitraum vom 26. Juni bis zum 26. Juli 1944 ab; daraus läßt sich folgern, daß es mit großer Wahrscheinlichkeit einen vorhergehenden Bericht gab, der den Zeitraum von Mitte Mai bis zum 15. Juni behandelte. Der uns interessierende Abschnitt lautet wie folgt:[36]

»In der Berichtzeit /26. Juni bis 26. Juli 1944/ vo [...[37]] durchschnittlich 2500 ungar. Juden transportbereit im Lager in 3 Blocks, verbleiben 3 - 10 Tage im Lager.

Sie wurden jeweils bei Zugang und Abgang einer genauen ärztlichen Untersuchung unterzogen und auf Läuse kontrolliert. Tägl. Fieber- und Läusekontrolle, ermittelte Läuseträger in der lagereigenen Entlausungsanlage entlaust, Kleider und Wäsche im Dampfkessel desinfiziert und lauseto-imprägniert.

Bei den Kontrollen festgestellte ernste Erkrankte nach BII/f rücküberstellt oder in ein anderes Lager verlegt.

Am 1.7. a ds. Zugang von 450 jugendl. Ungar. Juden aus B II/d. [...]

"Nichteinsatzfähige" ungarische Juden auf dem Weg von der Rampe zu einem unbekannten Ort, mit Kochgeschirr und Gepäck. Einsatzfähige Gefangene mußten hingegen all ihre Habe abgeben.[38]

Da zu viele Häftlinge jeweils auf den Blöken [sic] untergebracht wurden // bis zu 1000 // mußten viele auf dem nackten Betonboden bezw. feuchten Erdboden schlafen, wodurch Häufung Erkältungskrankheiten und Durchfall. Die in Sonderquarantäne befindlichen Jugendlichen auf Bl. 12 haben seit 10 Wochen, die Ungarn auf Bl.8 seit 8 Wochen keine Wäsche gewechselt. Da beide Gruppen nicht zur selben Lagerstärke gehören, konnte auch keine Waschseife an sie zur Ausgabe gebracht werden. Zuweisung von Seife dringend erforderlich.«

Es gibt außerdem einen Bericht über den »KGL-Bauabschnitt III«, der am 16. Juni 1944 vom »Hygieniker der Bauinspektion "Schlesien"« erstellt wurde. Darin werden die verheerenden sanitären Zustände in diesem Lagersektor geschildert. Der Verfasser des Berichts hält fest:

»Der erste Häftlingstransport traf am 9.6. 44 ein. Zurzeit ist der Bauabschnitt mit etwa 7000 weiblichen Häftlingen (Juden) belegt.«

Bezüglich der Quarantänemaßnahmen heißt es:[39]

»Da die Häftlinge des Bauabschnitts III beschleunigt zur Arbeit herangezogen werden sollen, wird eine eigentliche Quarantäne nicht durchgeführt. Um bei einem allfälligen Auftreten von Seuchen größere Verzögerungen im Arbeitseinsatz zu vermeiden, ist es erforderlich, an Stelle der üblichen Quarantänemaßnahmen durch Abzäunungen eine Unterteilung des Lagers in vier Felder vorzunehmen. Auf diese Weise kann bei einer etwa auftretenden Epidemie wenigstens ein Teil der Häftlinge weiter eingesetzt bzw. abtransportiert werden.«

Das Lager BIIc umfaßte 32 Wohnbaracken. Laut den oben zitierten Dokumenten waren im Juni 1944 in jeder Baracke 1.000 bis 1.200 Personen zusammengepfercht, so daß sich im Lager im Schnitt rund 35.000 nichtregistrierte ungarische Juden befanden. Und wenn am 16. Juni 7.000 - offensichtlich aus Ungarn stammende - Jüdinnen unter prekären Umständen im Sektor BIII untergebracht waren, leuchtet es ein, daß die Unterkunftsmöglichkeiten des Lagers BIIc erschöpft gewesen sein müssen. Aus all dem geht hervor, daß sich zu jener Zeit in Birkenau wenigstens 42.000 nichtregistrierte ungarische Juden aufgehalten haben müssen. Übrigens wurden am 2. Oktober 1944 aus dem Durchgangslager 17.202 Jüdinnen in den Lagerbestand aufgenommen, jedoch nicht registriert.[40] Hinsichtlich der weiblichen Häftlinge endet die »Liste der Häftlingstransporte« am 20. September 1944 mit der Nummer A-25378. Die höchste Nummer, die einer der später, im Januar 1945, von den Sowjets befreiten ungarischen Jüdinnen zugewiesen worden war, lautete A-27841. Die betreffende Frau hieß Ilona Schlamovitz und war im Mai 1944 deportiert worden. Wären die 17.202 oben erwähnten Jüdinnen registriert worden, so wären die höchsten Nummern der Serie A- höher als 42.000. Zu guter Letzt ist zu vermerken, daß von den 500 Jüdinnen, die um den 10. Oktober herum von Auschwitz abtransportiert wurden und am 12. in Buchenwald eintrafen, mindestens 200 keine Registrierungsnummer besaßen.[41]

Die am 2. Oktober in den Lagerbestand aufgenommenen Jüdinnen wurden allerdings separat gezählt, und zwar unter der Rubrik »Durchgangs-Juden«.[42]

Aus all dem Gesagten läßt sich schließen, daß die von »Urban« für den 21. August 1944 angegebene Ziffer von 30.000 nichtregistrierten ungarischen Juden glaubhaft ist; die wirkliche Zahl lag vermutlich sogar noch höher.

Die Überstellungen aus dem Durchgangslager

Vom 17. Mai an wurde eine außerordentlich große Zahl ungarischer Juden aus dem Birkenauer Durchgangslager überstellt. Bis zum 21. August registriert das Kalendarium (2. Ausgabe von 1989) insgesamt 21.497 solcher Juden. Die wirkliche Zahl ist jedoch mehr als doppelt so hoch, wie aus nebenstehender Tabelle hervorgeht, welche die von D. Czech gelieferten Unterlagen durch zusätzliche, einwandfrei dokumentierte Daten ergänzt.[43]

Überstellung ungarischer Juden aus Auschwitz-Birkenau in andere Lager
Datum Anzahl Betroffen Bestimmungsort
17/5 1.500 Ungar. Juden KL Groß-Rosen
23/5 1.000 Ungar. Juden KL Buchenwald
24/5 3.000 Ungar. Juden KL Groß-Rosen
24/5 189 Ungar. Juden KL Groß-Rosen
28/5 2.000 Ungar. Juden KL Mauthausen
28/5 963 Ungar. Juden KL Mauthausen
29/5 1.000 Ungar. Juden KL Mauthausen
1/6 1.000 Ungar. Juden KL Buchenwald
5/6 2.400 Ungar. Juden KL Sachsenhausen
5/6 2.000 Ungar. Juden KL Buchenwald
6/6 2.000 Ungar. Juden KL Mauthausen
8/6 4.000 Ungar. Juden KL Groß-Rosen
11/6 2.000 Ungar. Juden KL Mauthausen
14/6 500 Ungar. Juden KL Mauthausen
15/6 ? Ungar. Juden KL Dachau (Kauferling)
17/6 1.000 Ungar. Juden KL Buchenwald
17/6 1.500 Ungar. Juden KL Mauthausen
23/6 434 Ungar. Juden KL Buchenwald
29/6 2.502 Ungar. Jüdinnen KL Stutthof
1/7 2.000 Ungar. Jüdinnen KL Buchenwald
6/7 2.500 Ungar. Juden KL Buchenwald
10/7 800 Ungar. Jüdinnen KL Dachau
13/7 2.500 Ungar. Juden KL Buchenwald
15/7 2.500 Ungar. Juden KL Buchenwald
20/7 2.500 Ungar. Jüdinnen KL Stutthof
30/7 530 Ungar. Jüdinnen KL Buchenwald
13/8 1.000 Ungar. Jüdinnen KL Buchenwald
14/8 2.800 Ungar. Jüdinnen KL Stutthof
16/8 2.800 Ungar. Jüdinnen KL Stutthof
20/8 270 Ungar. Juden KL Buchenwald
  49.188    

Laut dem vorher zitierten Rapport des Chefs der Bekleidungskammern für die Häftlinge sind im Zeitraum vom 15. Mai bis zum 14. Juli 1944 aus Birkenau 45.132 Gefangene abtransportiert worden. Obiger Tabelle zufolge wurden in dieser Zeit 49.188 Häftlinge in andere Lager überstellt. Die Differenz - 4.056 Häftlinge - geht auf die Transporte ungarischer Juden aus Auschwitz I und Auschwitz III zurück.

Die im vorhergehenden angeführten Ziffern ermöglichen es uns nun, für den 21. August 1944 folgenden Zahlenstand zu ermitteln:

Im Lager internierte registrierte ungar. Juden: 27.500
In andere Lager überstellte ungar. Juden: 49.200
Nichtregistrierte ungar. Juden im Durchgangslager: 30.000
Insgesamt ca.: 106.700

Somit sind wir bisher zu dem wohluntermauerten Schluß gelangt, daß die Zahl der arbeitsfähigen ungarischen Juden in Auschwitz mindestens 106.700 betrug.

Wurden aus Ungarn nur arbeitsfähige Juden deportiert?

In einem vom 26. Mai 1944 stammenden Bericht schrieb Eberhard von Thadden, ein Judenexperte im deutschen Außenministerium:[44]

»Nach den bisherigen Feststellungen sind etwa 1/3 der abtransportierten Juden arbeitseinsatzfähig. Sie werden sofort nach Eintreffen im Sammellager Auschwitz auf die Dienststellen von Gauleiter Sauckel, die OT [Organisation Todt] usw. verteilt.«

Die Photographien im Album d'Auschwitz, auf die ich später noch zurückkomme, zeigen klar, daß in Auschwitz auch arbeitsunfähige ungarische Juden (Behinderte, Greise und Kinder) eintrafen.[45] Somit wurden aus Ungarn sowohl arbeitsfähige als auch arbeitsunfähige Juden deportiert.

Daß lediglich ein Drittel dieser Deportierten zum Arbeitseinsatz tauglich war, wie von Thadden festhielt, wird auch durch einen Brief erhärtet, den Ernst Kaltenbrunner am 30. Juni 1944 an den SS-Brigadeführer Blaschke schrieb und in dem es um die ins österreichische Straßhof geschickten ungarischen Juden ging. In diesem Brief heißt es:[46]

»Nach den bisherigen Erfahrungen werden bei diesen Transporten schätzungsweise etwa 30% (im vorliegenden Fall etwa 3600) arbeitsfähige Juden sein [...]«

Dementsprechend mußten auf rund 106.700 arbeitsfähige Juden etwa doppelt so viele - ungefähr 213.400 - arbeitsunfähige entfallen, woraus sich ergibt, daß die Gesamtzahl der aus Ungarn nach Auschwitz deportierten Juden bei ca. 320.000 lag.

Die Kriterien bei der Selektion Arbeitsfähiger

Die Kriterien bei der Selektion Arbeitsfähiger waren höchst elastisch. Am 14. August 1944 wurden aus dem Durchgangslager von Birkenau 300 ungarische Juden registriert, welchen die Nummern B-5860 bis B-6159 zugeteilt wurden. Man schickte sie dann zur Arbeit in die Raffinerie von Trzebinia, einem Nebenlager von Auschwitz.[47] Weitere 101 Juden aus Ungarn wurden am 15. September unter den Nummern B-10072 bis B-10172 registriert und in dieselbe Raffinerie abkommandiert.[48]

Diese Häftlinge gehörten folgenden Altersgruppen an:

  Gruppe vom 14.8. Gruppe vom 15.9.
14 Jahre (Jg. 1930) 9 0
15 Jahre (Jg. 1929) 106 7
16 Jahre (Jg. 1928) 84 8
17 Jahre (Jg. 1927) 29 4
18-20 Jahre 22 7
21-30 Jahre 14 9
31-40 Jahre 24 20
41-50 Jahre 7 32
51-60 Jahre 3 12
61-68 Jahre 2 2
Insgesamt 300 101

Am 3. Juli wurden aus dem Durchgangslager 174 ungarische Juden mit den Nummern A-15857 bis A-16030 registriert. Auf der Liste mit den Namen der Betreffenden finden sich zwei Kinder von 11 und 8 Jahren: Laszlo Leszlauer, geboren in Budapest am 2. März 1933, Nummer A-15952, und Isnac Herskowitz, geboren in Czanahosz am 4. Februar 1936, Nummer A-15922.[49]

Der bereits zitierte Rapport vom 26. Juli 1944 erwähnt, daß am 1. Juli 450 junge ungarische Juden aus dem Lager B II/d ins Quarantänelager BIIa verlegt worden sind. Vermutlich entstammten die später nach Trzebinia geschickten Jugendlichen dieser Gruppe.

Ein weiterer Punkt: Jene 578 ungarischen Juden, die sich zur Zeit der Befreiung des Lagers durch die Sowjettruppen noch in Auschwitz aufhielten, gehörten folgenden Altersklassen an:

1 bis 10 Jahre : 29
11 bis 14 Jahre: 52
15 bis 49 Jahre: 433
50 bis 60 Jahre: 50
61 bis 70 Jahre: 9
71 bis 79 Jahre: 3
Alter unbekannt: 2[50]

Im Gegensatz zu den Erwachsenen waren die Kinder mehrheitlich Zwillinge.[51]

Der Historiker Szita Szabolcs, der u.a. eine der am ausführlichsten dokumentierten Studien über die nach Straßhof deportierten ungarischen Juden verfaßt hat, vermittelt folgende Auskunft über die Altersklassen, denen die 16.600 in jenes österreichische Lager Geschickten angehörten[52]:

  Männlich Weiblich
0-2 Jahre 200 250
3-6 Jahre 500 500
7-12 Jahre 900 900
13-14 Jahre 400 350
15-20 Jahre 800 1.300
Über 31 Jahre [sic] 4.500 6.000
  7.300 9.300

Zwar war Straßhof sicher ein Sonderfall, doch bleibt trotzdem festzuhalten, daß zum Arbeitseinsatz in Österreich auch Häftlinge abkommandiert wurden, die selbst theoretisch gesehen arbeitsunfähig waren. S. Szabolcs publiziert einen Brief der Technischen Nothilfe. Dienststelle Bad-Vöslau an BdS u.SD., Sondereinsatzkommando für ungarische Juden, Aussenkommando Wien II, in dem eine Liste von 42 ungarischen Juden figuriert, welche »beim Bau einer Bettungsstelle (Stollen) für das SS-Lazarett seit 1. Oktober 1944« beschäftigt waren. In diesem Brief heißt es weiter:[52]

»Diese Juden stammen aus dem Lager Straßhof und haben in Klein-Mariazell und Bernhof nach der Unwetterkatastrophe und beim Aufbau von Behelfsheimen gearbeitet.«

Es handelte sich also um Personen, die tatsächlich zur Arbeit eingesetzt wurden. Auf der Liste stehen 13 Juden von mehr als 70 Jahren, je einer von 15, 13 und 10 Jahren, zwei von acht und einer von vier Jahren. Der älteste, Arnold Singer, geboren am 28. März 1868, war 76 Jahre alt; die jüngste, Agnes Anisfeld, geboren am 31. August 1940, zählte ganze 4 Lenze.

Obschon die nichtregistrierten ungarischen Juden in Auschwitz unter primitiven Verhältnissen im Durchgangslager einquartiert wurden - weil nämlich, wie wir im folgenden sehen werden, die Lagerverwaltung nicht auf den Empfang solcher Menschenmassen vorbereitet war -, haben die SS-Leute die Kranken nicht nur nicht "vergast", sondern medizinisch behandelt, wenn nötig sogar mittels chirurgischer Eingriffe. Der früher schon zitierte Bericht vom 28. Juni 1944 enthält folgende Angaben über die medizinische und sanitäre Betreuung dieser ungarischen Juden:[53]

»Krankenbehandlung:

In der Berichtszeit sind 3138 Häftl. in der Ambulanz behandelt. Davon:

Chirurg. Fälle 1426
Durchfall 327
Obstipation 253
Angina 79
Diebet. Mell. 4
Herzschwäche 25
Skabies 62
Pneumonie 75
Grippe 136
Intertrig. 268
Sonstige 449
Infektionskrankheiten:
Scharlach 5
Mumps 16
Masern 5
Erysipel 5.«

Wurden ungarische Juden nur nach Auschwitz deportiert?

Laut Randolph Braham gingen 6 oder 7 Züge mit deportierten ungarischen Juden aus der Zone IV (vermutlich 20.787 Personen) nach Straßhof ab.[54] Diese Deportierten sind also in der Zahl von 437.402 miterfaßt, die Edmund Veesenmeyer, deutscher Sonderbotschafter in Budapest, in einem Telegramm vom 11. Juli 1944 nannte.[55] Am 30. Juni fuhr ein weiterer Transport mit 1.684 ungarischen Juden über dem Umweg nach Wien nach Bergen-Belsen ab, wo er am 8. Juli ankam.[56]

Bereits im Mai waren einige Transporte mit ungarischen Juden in Österreich angekommen, und zwar in Gänserndorf bei Wien. Einer der ersten fuhr mit 4200 Häftlingen am 26. Mai von Baja Bácska ab. Von Anfang Juni an wurden im Gau Niederdonau Juden aus Ostungarn als Zwangsarbeiter beschäftigt.[57]

Die Anwesenheit ungarischer Juden an anderen Orten mutet höchst befremdlich an. Vom litauischen Kaunas (deutsch Kauen) trafen in Stutthof ein:

  • 54 ungarische Jüdinnen (Registrierungsnummern 48947 - 49000) am 19. Juli als Angehörige eines Transports von insgesamt 1.097 Jüdinnen.[58]
  • 588 ungarische Jüdinnen am 4. August als Angehörige eines Transports von 793 Jüdinnen, von denen 743 namentlich bekannt sind.[59]

Aus dem lettischen Riga gelangten in Stutthof an:

  • 484 namentlich bekannte ungarische Jüdinnen am 9. August als Angehörige eines Transports von 6.382 Jüdinnen, von denen 1.858 namentlich bekannt sind. Der Prozentsatz der Ungarinnen unter den namentlich bekannten dieser Jüdinnen beträgt somit 26%.[60]
  • 15 ungarische Jüdinnen am 1. Oktober als Angehörige eines Transports von 1.777 Jüdinnen, von denen 817 namentlich bekannt sind.[61]

Insgesamt sind von Kaunas und Riga mindestens 1.141 ungarische Jüdinnen nach Stutthof überstellt worden. Von woher waren sie ins Baltikum geschickt worden? Ich werde mich dieser Frage im nächsten Abschnitt zuwenden.

Zu erwähnen ist auch der Fall Płaszów. Dieses Arbeitslager befand sich unweit von Krakau. Dem polnischen Historiker Aleksander Bieberstein zufolge fragte der SS-Standartenführer Gerhard Maurer am 14. Mai beim Kommandanten von Płaszów an, ob er sich in der Lage sehe, 10.000 ungarische Jüdinnen aufzunehmen, die in der Rüstungsindustrie eingesetzt werden sollten.[62] In der Tat wurden dann etliche tausend ungarische Jüdinnen nach Płaszów überstellt. Am 6. August trafen rund 8000 Jüdinnen aus diesem Lager in Auschwitz ein, von wo aus bald darauf 4000 bis 5000 nach Stutthof weitergeleitet wurden.[63] Es handelt sich hier natürlich um die am 14. und 16. August in Stutthof eingegangenen Transporte, von denen jeder rund 2.800 ungarische Jüdinnen umfaßte.[64]

Auf welchem Wege waren diese ungarischen Jüdinnen in Płaszów angelangt? Direkt aus Ungarn oder über Auschwitz?

Die aus Ostungarn (Karpato-Ukraine und Nordsiebenbürgen) abgegangenen Transporte kamen alle von Osten her über Krakau nach Auschwitz.[65] Es ist somit fast sicher, daß die nach Płaszów geschickten Jüdinnen in Krakau einer Selektion unterzogen worden waren, ehe sie in Auschwitz eintrafen. Möglicherweise belief sich die Gesamtzahl dieser Jüdinnen auf 10.000, so wie es Maurer verlangt hatte, und es ist auch denkbar, daß in Krakau weitere Juden für andere Bestimmungsorte selektioniert wurden.

Ursprünglicher Zweck und Bestimmungsort der Deportationen ungarischer Juden

Am 9. April 1944 unterrichtete Adolf Hitler den Luftwaffenchef Erhard Milch, der Reichsführer SS Himmler habe den Auftrag erhalten, 100.000 Juden zur Errichtung unterirdischer Fabriken im Rahmen des Jäger-Bauprogramms bereitzustellen.[66] Am 9. Mai ordnete Hitler an, man möge 10.000 Männer aus Sewastopol abziehen, um die rund 200.000 Juden zu überwachen, die zwecks Einsatz beim Jäger-Bauprogramm in die Konzentrationslager des Reichs zu überstellen seien.[67]

Doch die Vorbereitungen zur Deportation der ungarischen Juden entsprachen diesen Plänen durchaus nicht. Am 2. Mai sandte von Thadden folgendes Telegramm an die deutsche Botschaft im slowakischen Preßburg (Bratislava):[68]

»Fahrplan für Abtransport größerer Anzahl ungarischer Juden zum Arbeitseinsatz in die Ostgebiete wird 4.-5. Mai in Wien zur Aufstellung gelangen. Vermutlich wird Großteil Transporte durch Slowakei geleitet werden müssen. Sollten hiergegen schwerwiegende Bedenken bestehen, erbitte Drahtbericht.«

Am 3. Mai erwiderte Ludin, deutscher Minister in Preßburg:[69]

»Erbitte beim Abtransport größerer Anzahl ungarischer Juden zum Arbeitseinsatz in die Ostgebiete das Gebiet der Slowakei möglichst nicht zu berühren.«

Am 5. Mai schickte von Thadden Ludin eine weitere Botschaft zum Thema »Abtransport ungarischer Juden zum Arbeitseinsatz in die Ostgebiete«, in der es hieß:[70]

»In der nebenbezeichneten Angelegenheit ergeben sich folgende Schwierigkeiten: Eine Transportführung über Lemberg ist aus militärischen Gründen außerordentlich schwierig, eine Leitung von Transporten aus Ostungarn - und in diesem Gebietsteil soll mit dem Abtransport begonnen werden - über Budapest-Wien würde zu einer erheblichen und z.Zt. unerwünschten Beunruhigung der Budapester Bevölkerung führen. Es ist daher seitens des RSHA besonderer Wert darauf gelegt worden, daß wenigstens die Transporte aus Ostungarn, sofern sie nicht über Lemberg laufen können, durch die Slowakei geführt werden. [...]

Vermerk: Im übrigen sei auch das RSHA [Reichssicherheitshauptamt] am meisten an einer Leitung der Transporte über Lemberg interessiert, weil es die kürzeste Marschroute wäre. Soweit die Strecke Lemberg seitens der militärischen Behörden überhaupt freigegeben würde, werde sie daher für die Transporte herangezogen werde.«

Fassen wir zusammen:

  • Die Deportation der ungarischen Juden sollte im Osten des Landes beginnen;
  • Der Zweck der Transporte bestand im Arbeitseinsatz;
  • Der kürzeste Weg zum Erreichen des Zielortes führte über Lemberg.

Schon ein flüchtiger Blick auf die Landkarte zeigt, daß der kürzeste Weg von Ostungarn in die »Ostgebiete« in der Tat über Lemberg führte.

Es ist somit klar, daß der ursprüngliche Plan zur Deportation ungarischer Juden den Abtransport arbeitsfähiger Juden in die besetzten Ostgebiete vorsah, wo sie zweifellos Befestigungsanlagen gegen die Sowjets im Rahmen der Organisation Todt errichten sollten. Dies könnte unter Umständen mit dem Hitler-Befehl vom 8. März 1944 zur Errichtung von Festungsanlagen in den Ostgebieten, u.a. in Bobrujsk, Mogilew, Orša und Witebsk in Verbindung stehen.

Die Anwesenheit ungarischer Juden in Kaunas und Riga läßt sich mit diesem Umstand erklären. Vermutlich wurden einige Transporte direkt von Ungarn via Lemberg ins Baltikum geschickt.

Viele Transporte aus Ostungarn (Felsővisó, Kőrömezó, Máramarossziget, Huszt, Iza, Munkács) führten via Stryj in der Tat nach Lemberg,[71] und es spricht somit alles dafür, daß einige Transporte nicht etwa westwärts nach Przemysl-Auschwitz, sondern nordwärts in die Ostgebiete gingen, so wie es der ursprüngliche Plan vorgesehen hatte. Dies wird übrigens dadurch bekräftigt, daß am 25. Mai zumindest ein Judentransport aus Ungarn nach Lublin/Majdanek gelangte, also zweifellos aus Ostungarn kam.[72]

In diesem Fall würden die 1.141 aus Kaunas und Riga nach Stutthof überstellten ungarischen Jüdinnen, die aber nur einen Teil der Deportierten ausmachten, der Stärke zweier Transporte entsprechen.[73] (Dies gilt natürlich auch für den Fall, daß diese Jüdinnen von Auschwitz aus ins Baltikum geschickt worden sein sollten.[74])

Nichteinsatzfähige Häftlinge rasten mit Sack und Pack im Wald in der Nähe des Krematoriums IV: Einen alter Mann steigt eine leichte Böschung am Rand des Löschteichs hinunter, um mit einem Metallbehälter Wasser zu schöpfen.[75]

In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, daß gerade zum Zeitpunkt, wo die Deportationen aus Ungarn einsetzten, nämlich am 15. Mai 1944, ein Transport mit 878 - fast durchwegs arbeitsfähigen - Juden aus dem französischen Drancy nach Kaunas abging.[76]

Es ist jedenfalls sicher, daß Auschwitz, als "Sammellager", lediglich eine Ersatzlösung darstellte, denn wie wir gesehen haben, wurde die Lagerleitung durch den enormen Zustrom von Häftlingen völlig überrascht und hatte keine Zeit, die notwendigen Vorkehrungen zur ordentlichen Unterbringung der künftigen Zwangsarbeiter des Reichs zu treffen. Dies hätte natürlich auch in noch größerem Maß auf die angeblichen Ausrottungsvorrichtungen zugetroffen.

Die Deportation ungarischer Juden nach Auschwitz wurde offiziell als »Sonderaktion Ungarn-Programm« bezeichnet,[77] wobei das Wort »Programm« sich auf einen vorgesehenen Arbeitseinsatz wie etwa das »Jäger-Bauprogramm« bezieht, während der Ausdruck »Sonderaktion« lediglich Bezug auf die Deportation nahm.[78]

Was war das Schicksal der arbeitsunfähigen ungarischen Juden?

Der gegenwärtige Kenntnisstand erlaubt es uns nicht, diese Frage sicher und durch Dokumente abgestützt zu beantworten. Die revisionistische Kritik hat anhand der von US-Aufklärern aufgenommenen Luftfotos sowie der Kapazität der Krematorien bewiesen, daß die arbeitsunfähigen ungarischen Juden keinesfalls »nach ihrer Ankunft vergast« worden sind. Dies wird auch durch die Aufnahmen im bereits erwähnten Album d' Auschwitz erhärtet.

Erstens zeigen mehrere Fotos in diesem Album sämtliche Krematoriumskamine (Krematorien II und III: Foto 6 auf S. 51, Foto 7 auf Seite 53, Foto 17 auf S. 63; Krematorien IV und V: Foto 99 auf S. 131, Foto 125 auf S. 155), doch aus keinem dieser Kamine steigt Rauch empor.[79] Wären aber die arbeitsunfähigen ungarischen Juden vergast worden, so hätten die Krematorien in der zweiten Maihälfte 1944 (die Aufnahmen im Album d'Auschwitz stammen vom 26. Mai) Tag und Nacht unaufhörlich auf Hochtouren in Betrieb sein müssen, und selbst dann hätten sie bloß einen kleinen Teil der "Vergasten" einäschern können.[80]

Zweitens lassen die Fotos erkennen, daß zwar die Arbeitsfähigen ihr ganzes Gepäck auf einer Bank zurückließen, die Arbeitsunfähigen hingegen ein leichtes Gepäck aus Rucksäcken und Taschen behalten durften. Besonders aussagekräftig sind Fotos 6 auf S. 51, Foto 163 auf S. 185 (wo die Arbeitsunfähigen, mehrheitlich Kinder, sogar zwei große Kochtöpfe tragen), Foto 165 auf S. 187 sowie Foto 169 auf S. 191. Warum wurden die Arbeitsunfähigen mit Taschen, Rucksäcken und Kochtöpfen in die "Gaskammern" geschickt? Die Fotos belegen außerdem, daß die Arbeitsunfähigen im Hain beim Löschteich östlich des Krematoriums IV ausruhten. (Foto 174 auf S. 194 zeigt im Vordergrund einen alten Mann, der sich anschickt, die leichte Böschung am Rand des Löschteichs hinunterzusteigen, um mit einem Metallbehälter Wasser zu schöpfen.) Auf keiner der Fotos sieht man Menschen in den Höfen der Krematorien II und III, obwohl diese recht geräumig waren. Besonders wichtig sind in diesem Zusammenhang die Fotos 152 und 153 auf S. 176 und 177, die in chronologisch falscher Reihenfolge abgebildet werden. Die Geschehnisse auf Foto 153 gingen nämlich jenen auf Foto 152 voraus, denn auf letzterer ist die Menschengruppe, welche auf ersterer vor dem Ostflügel von Krematorium III erscheint, bereits am Eingangstor zum Hof des Krematoriums vorbeigegangen, das man am rechten Rand des Bildes erkennt. Zu guter Letzt ist dieses Eingangstor geschlossen. Es ist somit klar, daß die Arbeitsunfähigen die Lagerstraße hinuntergingen, die parallel zum Eisenbahngeleise an den Krematorien II und III vorbei verlief, dann rechts abbogen, durch die Zentralsauna und das Effektenlager gingen, längs der Westseite des Krematoriums IV weiterschritten, anschließend abermals nach rechts abbogen und schließlich den Hain beim Löschteich betraten.

Wenn diese Arbeitsunfähigen zur "Vergasung" bestimmt waren, warum wurde dann ein großer Teil von ihnen nicht in die Höfe der Krematorien II und III geschickt, in denen sich angeblich viel leistungsfähigere Gaskammern und - tatsächlich - viel leistungsfähigere Verbrennungsöfen befanden als in den Krematorien IV und V?

Ist da die Annahme nicht ungleich logischer, diese Menschen, denen man Handgepäck gelassen hatte, warteten auf ihre Abfahrt aus Auschwitz?

Die Frage, wohin diese Arbeitsunfähigen geschickt worden sind, ist natürlich weit schwieriger zu beantworten. Der Fall der nach Straßhof deportierten ungarischen Juden mag uns eine Vorstellung davon vermitteln, wie sie untergebracht wurden. Im Gau Niederdonau wurden diese Juden in wenigstens 175 Siedlungen untergebracht, wo sich auch die Arbeitsunfähigen befanden und die man "Familienlager" nannte.[81] Und zumindest bis zum 22. Juni 1944 verlief die Front im Norden noch östlich der Linie Narva-Opocka-Vitebsk-Bobrujsk, und ein erheblicher Teil der Ostgebiete, unendlich viel größer als der Gau Niederdonau, war noch in deutscher Hand.

Wieviele Juden wurden aus Ungarn deportiert?

Wie wir gesehen haben, wurden mit Sicherheit rund 106.700 arbeitsfähige ungarische Juden nach Auschwitz deportiert, woraus sich eine Gesamtzahl von ca. 320.000 Deportierten hochrechnen läßt. Für andere Bestimmungsorte als Auschwitz wird man - zusätzlich zu den rund 21.000 nach Straßhof geschickten ungarischen Juden - eine Mindestziffer von 18.000 annehmen müssen (6 Transporte: zwei nach Gänserndorf, je einer nach Bergen-Belsen, Riga, Kaunas und Lublin/Majdanek), so daß die Zahl der nach Auschwitz Deportierten nicht höher als [437.402 - (21.000 + 18.000) =] 398.400 gewesen sein kann, von denen ein Drittel - etwa 132.800 - arbeitsfähig gewesen sein muß. Bisher haben wir mit Sicherheit etwa 106.700 davon aufspüren können.

Außerdem betrug die Kapazität des Durchgangslager bereits im Juni 1944 etwa 42.000 Personen, so daß die Erklärung Otto Wolkens über die Anwesenheit von ungefähr 50.000 ungarischen Jüdinnen im Birkenauer Durchgangslager der Wahrheit nahe gekommen sein mag.[82]

Somit ist es wahrscheinlich, daß die Zahl der im Durchgangslager einquartierten ungarischen Juden am 21. August höher als 30.000 war (der Häftling »Urban« gab übrigens an, die Ziffer sei Schwankungen unterworfen gewesen); überdies spricht alles dafür, daß die Anzahl der von Auschwitz nach verschiedenen Orten Deportierten wesentlich größer war als die von uns zuvor errechnete Mindestzahl, und schließlich ist die Liste der in andere Lager Überstellten bestimmt lückenhaft, besonders für die Zeit vom 15. Juli bis zum 21. August und erst recht bezüglich der Lager Auschwitz I und Auschwitz III, in denen sich - wie oben festgehalten - am 21. August 1944 insgesamt rund 11.800 ungarische Juden aufhielten.

Zusammenfassend läßt sich folgern, daß die rund (132.800 - 106.700 =) 26.100 fehlenden arbeitsfähigen ungarischen Juden (die ca. 78.300 Deportierten und etwa 26 Transporten entsprechen), zu diesen verschiedenen Kategorien gehören und daß die Gesamtzahl von 437.402 Deportierten zumindest der Größenordnung nach stimmt.

Die statistischen Dokumente über die Deportation der ungarischen Juden

Tabelle 1 im Anhang faßt die in der oben erwähnten »Liste der Judentransporte« enthaltenen Daten zusammen. Bis zum 11. Juli 1944 (dem letzten mit Bestimmtheit feststehenden Datum des Eintreffens eines Transports aus Ungarn in Auschwitz; der betreffende Transport war am 8. Juli abgegangen) umfaßt diese Liste 58 Einträge, die wenigstens (2.975 x 58 =) 172.500 Deportierten entsprechen.[83] Doch weil die Mindestzahl der nachgewiesenermaßen nach Auschwitz deportierten ungarischen Juden rund 320.000 beträgt, scheint es mir offenkundig, daß eine Registrierung sich auf mehrere Transporte beziehen konnte, so daß Danuta Czechs Angaben in diesem Fall zutreffend sind.

In Tabelle 2 im Anhang habe ich die von den Sowjets in Auschwitz befreiten ungarischen Juden aufgelistet, die ein genaues und glaubhaftes Datum ihrer Deportation oder ihres Eintreffens in Auschwitz angegeben haben. Insgesamt entsprechen die betreffenden Daten recht genau den Daten der Registrierung ungarischer Juden im Lager (Tabelle 1). Diese geringe Anzahl von 110 Häftlingen wurden an insgesamt nicht weniger als 43 verschiedenen Tagen deportiert, was wenigstens 43 Transporten mit (2.975 x 43) etwa 128.000 Deportierten entspricht. Doch an jedem Deportationstag ging mehr als ein Transport ab. Andererseits entsprechen die 320.000 nachgewiesenen Deportierten rund 107 Transporten; somit läßt sich aus den erwähnten 43 Deportationstagen auf eine wenigstens dreifach höhere Zahl von Transporten schließen.

In welchen Zeiträumen die Deportationen laut den vorhandenen Dokumenten (Veesenmeyer-Telegramme sowie Ferenczy-Berichte) stattfanden, läßt sich aus Tabelle 4 im Anhang ersehen.

Ein vom 15. Juli stammender Bericht der geheimen Widerstandsbewegung in Auschwitz besagt, im Lager seien vom 16. Mai bis zum 13. Juni über 300.000 ungarische Juden in 113 Zügen eingetroffen.[84] Gemäß den Veesenmeyer-Telegrammen wurden bis zum 7. Juni 1944 aus Ungarn 289.357 Juden in 92 Zügen deportiert;[85] zwischen dem 11. und dem 16. Juni verließen weitere 50.805 Juden Ungarn in 23 Zügen, was pro Zug einen Schnitt von 2.209 Deportierten ergibt. Am 14. Juni schließlich belief sich die Zahl der Verschickten auf 324.005. Doch vom 11. bis zum 14. Juni wurden [289.357 + 50.805) - 324.005 =] 16.157 Personen deportiert, was 7 Transporten entspricht. Unter der Annahme, daß am 11. Juni zwei Transporte abgingen und am 13. Juni in Auschwitz eintrafen, wären damals 5000 Menschen im Lager angekommen, und die Gesamtzahl betrüge rund 294.000 in 94 Zügen. Einige tausend ungarische Juden waren außerdem nach Österreich geschickt worden. Somit ist die von der Widerstandsbewegung genannte Zahl von über 300.000 ungarischen Juden zwar leicht erhöht, der Größenordnung nach jedoch richtig.

In Tabelle 3 im Anhang führe ich die Liste der Transporte aus Ungarn an, die Randolph L. Braham in der ungarischen Ausgabe seines Buchs The Politics of Genocide[86] veröffentlicht hat. In einer Anmerkung weist er darauf hin, daß diese Daten vom Bahnhofvorsteher von Kassa gesammelt wurden und daß ein gewisser Gaskó Miklós eine Kopie davon anfertigte, die er später publizierte. Als Quelle zitiert Braham die Zeitschrift Menorà, Toronto 1984, 1., 4. und 12. Juni. Die Liste umfaßt 134 Transporte bis zum 9. Juli 1944.

In der dritten und vierten Spalte von Tabelle 5 im Anhang präsentiere ich eine Gegenüberstellung der Deportiertenzahlen, wie sie aus den Unterlagen von Veesenmeyer und Ferenczy hervorgehen, und jenen, die sich aus der von Braham veröffentlichten Liste ergeben. Diese Gegenüberstellung erweist, daß diese Liste, von der man unter anderem die Herkunft nicht kennt, nicht besonders zuverlässig ist, auch wenn sie wahre Elemente enthalten mag. Übrigens ist keiner der aus Zentralungarn abgegangenen Transporte über Kassa (slowakisch Košice) gefahren, und nur ein Teil der Transporte aus der Karpato-Ukraine und Nordsiebenbürgen ging über diese Station,[87] so daß der Bahnhofvorsteher von Kassa ganz unmöglich 134 Transporte vorbeifahren sehen konnte.

Diese Liste spiegelt den tatsächlichen Fluß der Deportationen nur teilweise wider, so daß es sich bei ihr eher um eine Rekonstruktion anhand bereits bekannter Dokumente zu handeln scheint. Als Beispiele für solche lassen sich etwa eine von Karsai Elek veröffentlichte Liste nennen, die (ohne Datenangaben) die Zahl der aus 43 ungarischen Städten Verschleppten - insgesamt 427.400 Personen - angibt,[88] oder ein am 19. Juni 1944 nach Genf abgesandter Bericht, der die Zahl der bis zum 10. Juni aus 37 Städten Deportierten - insgesamt 335.000 Personen - vermeldet,[89] sowie natürlich die Veesenmeyer-Telegramme und die Ferenczy-Rapporte.

Betrachtungen zur These von Arthur Butz

In seinem eingangs erwähnten Artikel wiederholt A. Butz seine bekannte These, wonach die Deportation von 437.402 ungarischen Juden zwischen Mai und Juli 1944 nur mit gefälschten oder verfälschten Dokumenten bewiesen worden sei. Butz zufolge sind wohl Juden aus Ungarn deportiert worden, doch in weitaus geringerem Umfange. Er nennt keine alternative Ziffer und begnügt sich damit, die Größenordnung von 438.000 zu verwerfen.[90]

Zur Untermauerung seiner These führt er drei Hauptargumente an:

  • Die Schwierigkeit oder Unmöglichkeit, so viele Deportierte zu transportieren;
  • Einen aus dem Jahre 1948 stammenden Rotkreuzbericht über Ungarn während der Kriegszeit;
  • Das Argument, die vorliegende Dokumentation sei »suspekt«, worunter er "gefälscht" oder "verfälscht" versteht.

Wie wir oben festgehalten haben, wurden aus Ungarn mit Sicherheit nicht weniger als (320.000 + 21.000 + 18.000 =) 359.000 Juden deportiert, und diese Zahl genügt bereits, um die These von A. Butz zu entkräften. Wie J. Graf in seinem eingangs zitierten Beitrag richtig bemerkt hat, hätte es keinen Sinn ergeben, eine schlaue und raffinierte Fälschung in riesigem Maßstab zu betreiben, um weniger als 80.000 falsche Deportierte zu gewinnen. Zudem ist bereits diese mit Gewißheit feststehende Ziffer um ein Mehrfaches höher als die Schätzungen von A. Butz, der früher von rund 100.000 deportierten ungarischen Juden ausgegangen war.

Auf die von A. Butz angeführten Argumente möchte ich kurz wie folgt antworten:

Es unterliegt zwar keinem Zweifel, daß die deutschen Behörden in Ungarn am 19. April äußerst große Schwierigkeiten hatten, Züge für 10.000 Juden zu finden, doch eben aus diesem Grund beriefen sie am 4. und 5. Mai in Wien eine »Fahrplankonferenz« ein, um das Problem in den Griff zu bekommen und einen Terminkalender für die Transporte zu erstellen.[91] Wäre dies nicht der Fall gewesen, so müßte man mit derselben Logik auch die Deportation von 100.000 Juden - und dies ist ja die von A. Butz ursprünglich geschätzte Zahl - für unmöglich erklären. Auf dieser Konferenz wurde beschlossen, ab dem 15. Mai »täglich 4 Judentransporte« abgehen zu lassen.[92] Auch wenn man davon ausgeht, daß die Hin- und Rückfahrt sechs Tage dauerte, hätten 24 Züge - vier pro Tag an sechs Tagen - ausgereicht, um den Mechanismus der Deportation in Gang zu halten, denn am siebten Tage wären die vier am ersten Tage abgefahrenen Züge wieder verfügbar gewesen. Ich sehe hier keine Unmöglichkeit oder auch nur besondere Schwierigkeit vorliegen.

Der Bericht des Internationalen Roten Kreuzes über Ungarn besitzt keinerlei historischen Wert. Einerseits konnte es Friedrich Born, dem IKRK-Vertreter in Budapest, schwerlich entgangen sein, daß wenigstens 320.000 ungarische Juden nach Auschwitz deportiert worden waren. Andererseits wußte das IKRK selbst im Jahre 1948 selbstverständlich Bescheid über die offizielle Version, laut der »bis zum 27. Juni [1944] 475.000 Juden deportiert worden waren.«[93] Im Bericht des Roten Kreuzes findet sich nicht der geringste Hinweis auf all dies. Wie konnten die Verfasser des Berichts denn behaupten, der »Höhepunkt der Heimsuchungen« habe für die ungarischen Juden im Oktober 1944 begonnen,[94] obgleich sie darüber informiert waren, daß von Mai bis Juli mindestens 320.000 Juden aus Ungarn in ein Lager verbracht worden waren, das damals schon allgemein als Vernichtungslager galt? Wie konnten sie die Abkommandierung von ungefähr 30.000 Juden zum Arbeitseinsatz für schlimmer halten als die Deportation von mehr als 320.000 in ein (angebliches) Vernichtungslager?

Es scheint mir offenkundig, daß das IKRK die Geschehnisse in Ungarn ad usum delphini geschildert hat. Grund dafür war meiner Ansicht nach die tödliche Verlegenheit darüber, damals nichts gesagt und nichts zur Verhütung dieser fürchterlichen Tragödie getan zu haben.

Die Vorstellung, die umfangreiche Dokumentation über die Deportation der ungarischen Juden könne gefälscht oder verfälscht sein, hat mich stets mit Verwunderung erfüllt, da die Voraussetzung dafür eine internationale Verschwörung gewesen wäre. A. Butz äußert den Verdacht, die deutschen Dokumente seien von Horst Wagner, einem Mitarbeiter Außenminister Ribbentrops, sowie Eberhard von Thadden unter Aufsicht Robert Kempners als Gegenleistung für eine Art »Schutz vor Strafverfolgung« gefälscht worden.[90] Doch macht es nicht den Anschein, als habe Veesenmeyer beim Wilhelmstraße-Prozeß angesichts dieser angeblich falschen Dokumente Protest erhoben. Ich weise schließlich noch darauf hin, daß dieser Prozeß 1948 begann (das Urteil wurde am 11. April 1949 gefällt), und die Ferenczy-Berichte, aus denen eine praktisch gleich hohe Zahl Deportierter hervorgeht (434.351 im Vergleich zu 437.402) waren bereits im Jahre 1948 bekannt, sonst hätte Eugene Levai sie in seinem in jenem Jahr veröffentlichten Black Book on the Martyrdom of Hungarian Jews[95] nicht zitieren können. Kann man denn wirklich glauben, das sowjetisch kontrollierte Ungarn habe in aller Eile eine Übersetzung dieser Berichte an Robert Kempner geschickt, damit dieser sie Horst Wagner und Eberhard von Thadden geben und sie mit der Herstellung entsprechender Fälschungen beauftragen konnte? Wie ließen sich die Übereinstimmungen zwischen den beiden Serien von Berichten denn sonst erklären?

Abkürzungen:

AFB: Archivio Federale, Bundesarchiv, Bern.
AGK: Archiwum Głównej Komisji badania zbrodni hitlerowskich w Polsce (Archiv der Kommission zur Erforschung der Hitler-Verbrechen in Polen), Warschau.
AMS: Archiwum Muzeum Stutthof .
APMO: Archiwum Państwowego Muzeum Oświęcim-Brezinka (Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau).
GARF: Gosudarstwenni Archiv Rossiskoi Federatsii (Staatliches Archiv der Russischen Föderation), Moskau.
RGVA: Rossiiskij Gosudarstvenniy Vojenniy Archiv (Staatliches russisches Kriegsarchiv, ehemals Tsentr Chranenija Istoriko-dokumental'nich Kollektsi (TCIDK, Zentrum zur Aufbewahrung geschichtlich-dokumentarischer Sammlungen, Moskau).
ROD: Rijksinstituut voor Oorlogsdocumentatie (Reichsinstitut für Kriegsdokumentation), Amsterdam.

 


Anmerkungen

Carlo Mattogno hat diesen Artikel im April 2001 verfaßt und im Juli 2001 ergänzt. Übersetzt von Jürgen Graf.

[1] VffG, 4(2) (2000), S. 140-149; englisch: The Journal of Historical Review, July-August 2000, S. 19-28.
[2] VffG, 4(3&4) (2000), S. 277-284; englisch: The Journal of Historical Review, July-August 2000, S. 19-28.
[3] »Transfers to the Reich. The Unregistered Inmates of Auschwitz«, The Journal of Historical Review, March-April 2000, S. 21-25.
[4] »Beyond Auschwitz. New Light on the Fate of the Hungarian Jews«, ebenda, S. 26-35.
[5] Danuta Czech, Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, publiziert in Hefte von Auschwitz, Wydawnictwo Państwowego Muzeum w Oświęcimiu, Hefte 2, 1959; 3, 1960; 4, 1961; 6, 1962; 7 und 8, 1964.
[6] Man vergleiche hierzu die vollständige Liste der Transporte in meiner Studie Wellers e i "gasati" di Auschwitz, Edizione la Sfinge, Parma, März 1987, S. 51-54.
[7] Hefte von Auschwitz, 7, 1965, S. 91 ff.
[8] Le Monde Juif, octobre-décembre 1983, Nr. 112, S. 127-159.
[9] Ebenda, S. 147 und 153.
[10] Zum damaligen Zeitpunkt stand mir der Text dieses Berichts noch nicht zur Verfügung.
[11] Le procès de Jérusalem. Jugement-Documents. Introduction de Léon Poliakov. Calman-Lévy, Paris 1963, S. 199.
[12] Edmund Veesenmeyer, deutscher Sonderbotschafter in Budapest, nannte eine Zahl von 437.402 bis zum 9. Juli 1944 Deportierten. NG-5615.
[13] Wellers e i "gasati" di Auschwitz, aaO. (Anm. 6), S. 18-20, 37, 39.
[14] Danuta Czech, Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945, Rowohlt Verlag, Reinbeck bei Hamburg 1989.
[15] Ebenda, S. 699.
[16] Ebenda, S. 777 ff.
[17] L'Album d'Auschwitz, Editions du Seuil, Paris 1983, Foto Nr. 6, S. 51.
[18] AGK, NTN, 88. S. 46.
[19] N. Blumenthal, Dokumenty i materiały, Lodz 1946, S. 95.
[20] D. Czech, Kalendarium..., Auflage von 1989, S. 860.
[21] Die Zahl ergibt sich aus folgender Rechnung: [(437.402 : 147) x 91=] ca. 271.000.
[22] Jean-Claude Pressac, Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Chambers, Beate Klarsfeld Foundation, New York 1989, S. 253.
[23] In Wirklichkeit kamen 57 Transporte an.
[24] J.-C. Pressac, Die Krematorien von Auschwitz. Die Technik des Massenmordes, Piper Verlag, München/Zürich 1994, S. 198-199. Den Anhang »Die Zahl der ungarischen Juden, die nach Auschwitz kamen, und ihre Sterblichkeitsrate« gibt es in der französischen Originalfassung nicht.
[25] Ebenda, S. 171 und 173.
[26] »Entretien avec Jean-Claude Pressac«, in: Valérie Igounet, Histoire du Négationnisme en France, Editions du Seuil, Paris 2000, S. 643-64.
[27] AGK, NTN, 155, S. 115.
[28] Im Original steht aufgrund eines Rechenfehlers "15971".
[29] Im Original steht aufgrund eines weiteren Rechenfehlers "39234".
[30] APMO, D-AuII-3a/39, S. 71.
[31] Frauenkonzentrationslager.
[32] APMO, D-RO/123.
[33] AGK, NTN, 156, S. 140-146.
[34] AGK, NTN, 155, S. 95 und 96.
[35] AGK, NTN, 88, S. 111-113.
[36] GARF, 7021-108-32, S 76.
[37] Lücke im Text.
[38] L'Album d'Auschwitz, aaO. (Anm. 17), Fotos 163 & 165, S. 185, 187.
[39] RGVA, 502-1-168, S. 6-6a.
[40] APMO, D-AU II 3a, S. 5a.
[41] APMO, D-Bu-3/1/5.
[42] In den Berichten unter der Rubrik Arbeitseinsatz des F.L. Birkenau ab dem 5. Oktober 1944. APMO, D-AuII-3a/1a-4c.
[43] Zu den nach Stutthof Geschickten siehe AMS; zu den nach Mauthausen Deportierten siehe AGK; zu Groß-Rosen siehe Isabell Sprenger, Groß-Rosen. Ein Konzentrationslager in Schlesien, Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 1996.
[44] NG-2190.
[45] L'Album d'Auschwitz, aaO. (Anm. 17).
[46] PS-3803.
[47] AGK, NTN, 145, S. 82-92 (Namenliste).
[48] Ebenda, S. 92-95.
[49] ROD, c(21.23)32, Nr. 1866 und 1836 der Liste.
[50] GARF, 7021-108-26, S. 1-16; 108-22/23.
[51] Siehe hierzu den interessanten Artikel von Jean-Marie Boisdefeu »A propos des jumeux d'Auschwitz« (Zu den Zwillingen von Auschwitz), Etudes rėvisionnistes, vol. 1, S. 257-267, in dem der Verfasser anhand einer originellen - meiner Ansicht nach freilich mit unzureichenden Unterlagen dokumentierten - Berechnungsmethode zum Schluß gelangt, es seien ca. 118.500 ungarische Juden nach Auschwitz deportiert worden.
[52] Szita Szabolcs, Utak a pokolból. Magyar deportálak as annektált Ausztriában 1944-1945 (Wege aus der Hölle. Ins annektierte Österreich deportierte ungarische Juden), Metalon Manager Iroda Kft, Kesckemėt 1991, S. 97.
[53] GARF, 7021-108-32, S. 76.
[54] Randolph L. Braham, The Politics of Genocide. The Holocaust in Hungary, Columbia University Press, New York 1981, vol. 2, S. 652.
[55] NG-5615.
[56] Der Kastner-Bericht über Eichmanns Menschenhandel in Ungarn, Kindler Verlag, München 1961, S. 130, 134.
[57] Leonore Lappin, »Der Weg ungarischer Juden nach Theresienstadt«, in: Theresienstädter Studien und Dokumente, Prag 1996, S. 57-59.
[58] AMS, I-IIB-10.
[59] Ebenda.
[60] AMS-I-IIE-12.
[61] AMS-I-IIB-12.
[62] Aleksander Bieberstein, Zagłada Żydów w Krakowie, Wydawnictwo Literackie, Krakau-Breslau 1986, S. 138.
[63] Magdalena Kunicka-Wyrzykowksa, »Kalendarium obozu płaszowskiego 1942-1945«, in: Biuletyn Głównej Komisji badania zbrodni hitlerowskich w Polsce, Warschau 1982, XXXI, S. 69.
[64] AMS, I-IIB-11.
[65] Martin Gilbert, Endlösung. Die Vertreibung und Vernichtung der Juden. Ein Atlas, Rowohlt Verlag, Reinbeck bei Hamburg 1995, S. 197.
[66] R-134.
[67] NO-5689.
[68] NG-5565. R.L. Braham, The destruction of Hungarian Jewry, New York 1963, S. 151.
[69] Ebenda, S. 152.
[70] Ebenda, S. 367-368.
[71] Martin Gilbert, aaO. (Anm. 65), S. 197.
[72] Tadeusz Menzel (Hg.), Majdanek 1941-1945, Wydawnictwo Lubelskie, Lublin 1991, S. 454 (von Zofia Leszczyńska erstellte Tabelle der 1941-1944 nach Majdanek gelangten Transporte).
[73] Laut einem am 24. Mai von Oswald Pohl an Himmler gesandten Telegramm machten die Frauen 50% der arbeitsfähigen ungarischen Juden aus. Da jene rund ein Drittel der Deportierten bildeten, entsprachen die arbeitsfähigen Frauen einem Sechstel des Gesamtbestandes und somit 1.141 arbeitsfähige Frauen mehr als 6000 Deportierten, d.h. mindestens zwei Transporten.
[74] S. Crowell erwähnt das von A. Ezergailis verfaßte Buch The Holocaust in Latvia 1941-1945, The Missing Center, Riga 1996), laut dem im Lager Dungada unweit von Riga zwischen 2000 und 5000 ungarische Juden interniert waren, welche ab Mai 1944 aus Auschwitz eingetroffen sein sollen. (S. Crowell, a.a.O., S. 30).
[75] L'Album d'Auschwitz, aaO. (Anm. 17), Foto 174, S. 194
[76] Serge Klarsfeld, Le mémorial de la déportation de juifs de France, Paris 1978, S. 13 und 20 (meine Seitennumerierung; Klarsfelds Werk hat keine Seitenzahlen).
[77] Telegramm von Kammler an die Zentralbauleitung von Auschwitz vom 21. (in Wirklichkeit 25.) Mai 1944, RGVA, 502-1-83, S. 21.
[78] Man vergleiche dazu meine Studie "Sonderbehandlung" ad Auschwitz. Genesi e significato, Edizioni di Ar, Padua 2001, II, 18 "La Sonderaktion Ungarn". (Eine deutsche Fassung dieses Werks ist in Vorbereitung.)
[79] Nur Pressac glaubt noch ernsthaft daran, daß die Kamine der Krematorien von Birkenau nicht rauchen konnten, weil der Rauch beim Kongreß von Dresden vom 7. Juni 1876 verboten worden war (V. Igounet, a.a.O., S. 648)! Man vergleiche dazu die in meinem in der anschließenden Fußnote genannten Artikel angeführten Gegenbeweise.
[80] Vgl. hierzu meinen Artikel Supplementary response to John C. Zimmermann on his "Body Disposal at Auschwitz", herausgegeben von Russell Granata, http://www.russgranata.com/Risposta-new-eng.html.
[81] S. Szabolcs, a.a.O., S. 279.
[82] Im Durchgangslager waren im August 1944 allerdings auch polnische Jüdinnen und Juden aus Płaszów und Lodz untergebracht.
[83] Durchschnittliche Zahl der Deportierten pro Transport: (437.402: 147 Züge =) 2.975.
[84] APMO, Au D-Ro/91, t. VII, S. 451.
[85] NG-5619.
[86] A Magyar Holocaust, 1988, vol. 2, S. 514-515.
[87] Martin Gilbert, a.a.O., S. 196-197.
[88] Vádirat a nácizmus ellen (Anklage gegen den Nazismus), Budapest 1967, Band 3, S. 36-37.
[89] AFB, E 2001 (D) 1968/74/14, S. 5.
[90] A. Butz, aaO. (Anm. 2), S. 277.
[91] NG-5565.
[92] R.L. Braham, The destruction of Hungarian Jewry, S. 371.
[93] Eidesstattliche Erklärung R. Kastner vom 13. September 1945. PS-2605.
[94] A. Butz, The Hoax of the Twentieth Century, Historical Review Press, 1977, S. 138,
[95] The Central European Times Publishing Co. Ltd., Zürich 1948, S. 472.

 


 

TABELLE 1: REGISTRIERUNGSLISTEN DER TRANSPORTE UNGARISCHER JUDEN NACH AUSCHWITZ
1 17.5.1944 19 A-1419-1437 /  
2 18.5.1944 /   20 A-3622-3641
3 19.5.1944 7 A-1438-1444 /  
4 20.5.1944 34 A-2507-2540 58 A-5079-5136
5 21.5.1944 5 A-2541-2545 6 A-5137-5142
6 21.5.1944 3 A-3100-3102 /  
7 22.5.1944 2.000 A-3103-5102 3 A-5342-5344
8 22.5.1944 7 A-5103-5109 /  
9 23.5.1944 /   5 A-5415-5419
10 24.5.1944 2.000 A-5729-7728 /  
11 25.5.1944 /   100 A-5667-5766
12 25.5.1944 /   253 A-5770-6022
13 25.5.1944 /   1 A-6023
14 26.5.1944 /   4 A-6024-6027
15 27.5.1944 2 A-5331-5332 6 A-6028-6033
16 28.5.1944 12 A-5717-5728 /  
17 28.5.1944 12 A-7729-7740 2 A-6034-6035
18 29.5.1944 2.000 A-7741-9740 /  
19 30.5.1944 1.000 A-9741-10740 3 A-6036-6038
20 31.5.1944 100 A-10741-10840 1000 A-6039-7038
21 31.5.1944 1.000 A-10841-11840 /  
22 1.6.1944 /   26 A-7039-7064
23 2.6.1944 11 A-12080-12090 /  
24 4.6.1944 /   3 A-7199-7201
25 6.6.1944 /   4 A-7202-7205
26 7.6.1944 2.002 A-12091-14092 3 A-7206-7208
27 7.6.1944 2 A-14093-14094 /  
28 8.6.1944 /   1 A-7209
29 12.6.1944 /   1 A-7210
30 13.6.1944 /   5 A-7211-7215
31 14.6.1944 /   6 A-7216-7221
32 14.6.1944 /   3 A-7222-7224
33 15.6.1944 203 A-14095-14297 /  
34 16.6.1944 9 A-14298-14306 /  
35 17.6.1944 10 A-14319-14328 2 A-7254-7255
36 17.6.1944 320 A-14329-14648 /  
37 17.6.1944 309 A-14640-14948 /  
38 17.6.1944 120 A-14949-15068 /  
39 18.6.1944 /   4 A-7256-7259
40 28.6.1944 /   1.000 A-7270-8269
41 29.6.1944 150 A-15069-15218 /  
42 29.6.1944 2 A-15675-15676 /  
43 3.7.1944 174 A-15857-16030 /  
44 3.7.1944 500 A-16037-16536 /  
45 5.7.1944 4 A-16935-16938 /  
46 5.7.1944 13 A-16939-16951 /  
47 7.7.1944 283 A-16952-17234 6 A-8735-8740
48 7.7.1944 217 A-17235-17451 /  
49 7.7.1944 3 A-17458-17460 /  
50 8.7.1944 2 A-17452-17453 /  
51 8.7.1944 /   999 A-8741-9739
52 9.7.1944 10 A-17500-17509 5 A-9740-9744
53 10.7.1944 2 A-17454-17455 2 A-9745-9746
54 10.7.1944 2 A-17456-17457 2 A-9747-9748
55 10.7.1944 /   4 A-9749-9752
56 11.7.1944 /   2 A-9753-9754
57 11.7.1944 /   2 A-9755-9756
58 14.7.1944 2 A-17543-17544 /  
59 15.7.1944 2 A-17545-17546 /  
60 25.7.1944 11 A-17677-17687 2.001 A-9818-11818
62 26.7.1944 /   2.008 A-11819-13826
63 27.7.1944 261 A-17688-17948 /  
64 27.7.1944 5 A-17949-17953 /  
65 30.7.1944 2 A-19945-19946 /  
66 31.7.1944 /   683 A-16457-17139
67 8.8.1944 25 B-5569-5593 1.414 A-17141-18554
69 10.8.1944 /   1.446 A-18555-20000
70 10.8.1944 /   1.000 A-20001-21000
71 11.8.1944 /   1.000 A-21001-22000
72 11.8.1944 /   999 A-22001-22999
73 12.8.1944 /   1.020 A-23000-24019
74 13.8.1944 151 B-5709-5859 /  
75 14.8.1944 300 B-5860-6159 /  
76 14.8.1944 50 B-6160-6209 /  
77 16.8.1944 /   6 A-24191-24196
78 17.8.1944 /   9 A-24204-24212
79 19.8.1944 16 B-7550-7565 /  
80 22.8.1944 3 B-7761-7763 138 A-24041-24178
81 24.8.1944 28 B-7877-7904 /  
82 28.8.1944 /   1 A-24981
83 4.9.1944 5 B-9103-9107 /  
84 5.9.1944 5 B-9366-9370 /  
85 7.9.1944 3 B-9619-9621 /  
86 15.9.1944 101 B-10072-10172 /  
87 18.9.1944 3 B-10420-10422 /  
88 20.9.1944 31 B-10423-10453 22 A-25357-25378
89 21.9.1944 28 B-10454-10481 /  
           
TABELLE 2: UNVOLLSTÄNDIGE LISTE DER VON DEN SOWJETS IN AUSCHWITZ BEFREITEN UNGAR. JUDEN
Fischer Mano A-11026 49 15.5.1944
Goldstein Aron A-10060 42 15.5.1944
Herstieg Mozes A-7471 46 15.5.1944
Herskovits Eva A-6377 34 15.5.1944
Erdös Zouzsanna A-8806 26 16.5.1944
Back Riza A-7608 18 17.5.1944
Havas Olga A-7946? 49 17.5.1944
Jakubovics Janka A-9471 33 17.5.1944
Gelbermann Ilona A-7754 20 18.5.1944
Glanz Simon A-4552 50 18.5.1944
Heisler Jozsef A-4549 53 18.5.1944
Kanitz Salamon A-4553 54 18.5.1944
Brummer Pepi A-20089 43 18.5.1944
Feldman Helene A-7684 32 18.5.1944
Hollender Helen A-6372 47 18.5.1944
Telmanovits Mor A-3102 13 18.5.1944
Weisz Max A-8671 36 18.5.1944
Freiberger Ferenc A-10001 48 18.5.1944
Goldmann Ignatz B-14711 54 19.5.1944
Genuth Samuel A-8991 50 20.5.1944
Gross Klara A-6260 23 20.5.1944
Jakobovics Berisk A-10151 53 20.5.1944
Kantor Miklos A-9241 34 20.5.1944
Klein H. A-10943 23 20.5.1944
Lieber Samuel A-5967 54 20.5.1944
Teller K. A-6900 14 20.5.1944
Glückmann Antal A-6924 51 22.5.1944
Hartmann Tibor A-10139 19 22.5.1944
Lustig-Brawer A. A-5121 2 22.5.1944
Czukor Siegmund A-9873 50 23.5.1944
Glatz A. A-17015 42 23.5.1944
Jchverenz L. A-3430 43 25.5.1944
Fried Karl 172425 36 26.5.1944
Arnstein Decsö A-8472 47 27.5.1944
Rosenberg Isidor A-10449 49 27.5.1944
Feldmann Hella A-27629 44 28.5.1944
Fixler Bernat A-7935 45 28.5.1944
Holczer Dezsö A-17312 38 28.5.1944
Szakacs Sandor A-13896 49 28.5.1944
Smuck Lajos A-10557 29 28.5.1944
Berger Jenö A-14016 30 29.5.1944
Mandel St. A-11435 44 30.5.1944
Blau Laszlo B-10077 16 1.6.1944
Ilkovits Miklos A-8141 46 1.6.1944
Briekka Andreas A-17456 10 1.6.1944
Briekka Karl A-17457 10 1.6.1944
Arnstein Iosef A-13751 52 2.6.1944
Grossinger Farkas B-10099 16 2.6.1944
Hermann Piroska A-7222 13 2.6.1944
Lörinczi L. A-7059 10 2.6.1944
Lövinczi A. A-12090 10 2.6.1944
Rottstein Dezider A-8547 23 2.6.1944
Cengeri L. A-7057 7 2.6.1944
Cengeri J. A-7058 7 2.6.1944
Markolacz Eva A-19643 27 4.6.1944
Mund Antal A-16334 35 4.6.1944
Faradi Ferensz B-14707 48 5.6.1944
Friedmann Zoltan A-12436 21 5.6.1944
Glück Michaly A-13228 21 5.6.1944
Grosz Jozsef A-13876 44 5.6.1944
Goldenthal Ernö A-13202 10 5.6.1944
Goldenthal Marika A-7205 3 5.6.1944
Deutsch Tibor B-5901 23 6.6.1944
Dobos Roza 78244 56 6.6.1944
Fekete Vilmos A-12089 7 6.6.1944
Böhm Margit A-11243 23 9.6.1944
Deutsch Katalin A-9745 14 10.6.1944
Deutsch Marta A-9746 14 10.6.1944
Hadl Eva A-9754 13 11.6.1944
Hadl Gyuri A-17545 7 11.6.1944
Hadl Paul A-17546 7 11.6.1944
Gold Margit A-11954 23 12.6.1944
Hoffmann Andor A-14165 43 12.6.1944
Szasz E. A-9626 39 12.6.1944
Epstein Thomas B-14706 15 14.6.1944
Csillag Imre A-14361 31 15.6.1944
Schlesinger Makla A-7254 12 15.6.1944
Schlesinger Judith A-7255 12 15.6.1944
Frei Rozsi A-27789 14 16.6.1944
Fuhrmann Bella A-14383 43 16.6.1944
Mansfeld Geza 189121 63 16.6.1944
Kegö Ferenc A-15048 25 17.6.1944
Brauer Zsigmond A-14355 18 20.6.1944
Feldmayer Josef B-14708 56 20.6.1944
Friedmann Jenö A-14710 37 22.6.1944
Altwer Gyula B-5865 54 26.6.1944
Gara Ferensz A-17022 58 27.6.1944
Kalasz Gergely A-16282 46 28.6.1944
Grad Miklos A-17026 48 29.6.1944
Hartenstein Georg B-5959 41 29.6.1944
Rapaport M. A-16383 21 29.6.1944
Pal F. A-27653 34 1.7.1944
Friedmann Salamon A-13831 44 3.7.1944
Feldman Elisabet A-9910 16 5.7.1944
Füredi Sandor B-5914 37 5.7.1944
Gottlieb Marton A-17288 30 7.7.1944
Guttmann Hermine A-27636 54 7.7.1944
Wortmann G. A-14880 14 7.7.1944
Benedek Tibor B-14509 15 8.7.1944
Bernard Hajnalka A-11227 19 8.7.1944
Lejhelyi Janus A-17800 59 8.7.1944
Deutsch Janka A-27624 50 9.7.1944
Jolesz Sara A-11403 32 9.7.1944
Feher Istvan B-5571 38 10.7.1944
Gergely Sandor B-5950 55 11.7.1944
Gergely Janos B-5951 17 11.7.1944
Hermann Eva A-10839 16 11.7.1944
Hollo Kalman B-5965 57 11.7.1944
Hollos Tamas B-5966 15 11.7.1944
Isak Vera A-13030 16 11.7.1944

TABELLE 3: LISTE AUS UNGARN DEPORTIERTER JUDEN LAUT R.L. BRAHAM (1988)
Datum Deportationsort Zahl
Deportierter
Zahl laut Veesenmayer Zahl laut Tab 3
14. Mai Nyíregyháza 3.200    
14. Mai Munkács 3.169    
16. Mai Kassa 4.055    
16. Mai Beregszász 3.818    
16. Mai Máramarosszig 3.007    
16. Mai Munkács 3.629    
16. Mai Kassa 3.629    
17. Mai Kassa 3.352    
17. Mai Ungvár 3.455    
17. Mai Ökörmezõ 3.052    
17. Mai Munkács 3.306 23.363 37.672
18. Mai Máramarosszig 3.248    
18. Mai Beregszász 3.569    
18. Mai Sátoraljaújhely 3.439    
18. Mai Munkács 3.025 27.637 13.281
19. Mai Felsõvisó 3.032    
19. Mai Mátészalka 3.299    
19. Mai Szatmárnémeti 3.006    
19. Mai Munkács 3.222 11.644 12.559
20. Mai Máramarosszig 3.104    
20. Mai Nagyszõllõs 3.458    
20. Mai Munkács 3.026    
21. Mai Felsõvisó 3.013    
21. Mai Nyíregyháza 3.274    
21. Mai Sátoraljaújhely 3.290    
21. Mai Munkács 2.861 32.023 22.026
22. Mai Máramarosszig 3.490    
22. Mai Ungvár 3.335    
22. Mai Szatmárnémeti 3.300    
22. Mai Mátészalka 3.290    
23. Mai Felsõvisó 3.023    
23. Mai Nyíregyháza 3.272    
23. Mai Munkács 3.269    
23. Mai Nagyvárad 3.110    
24. Mai Beregszász 2.602    
24. Mai Kassa 3.172    
24. Mai Huszt 3.328    
24. Mai Munkács 3.080 22.415 38.271
25. Mai Ungvár 3.334    
25. Mai Nagyvárad 4.138    
25. Mai Kolozsvár 3.130    
25. Mai Aknaszlatina 3.317    
25. Mai Felsõvisó 3.006    
25. Mai Szatmárnémeti 3.336 21.788 20.261
26. Mai Huszt 3.249    
27. Mai Sátoraljaújhely 3.325    
27. Mai Nagyszõllõs 3.415    
27. Mai Nyíregyháza 2.708    
27. Mai Ungvár 2.988    
27. Mai Marosvásárhely 3.183    
28. Mai Técsõ 2.208    
28. Mai Dés 3.150    
28. Mai Nagyvárad 3.227 45.179 27.453
29. Mai Beregszász 860    
29. Mai Mátészalka 3.299    
29. Mai Kolozsvár 3.417    
29. Mai Szatmárnémeti 3.306    
29. Mai Nagyvárad 3.187    
30. Mai Kisvárda 3.475    
30. Mai Marosvásárhely 3.204    
30. Mai Nagyvárad 3.187    
30. Mai Szatmárnémeti 3.300    
31. Mai Ungvár 3.056    
31. Mai Kolozsvár 3.270    
31. Mai Nagybánya 3.073    
31. Mai Szilágysomlyó 3.106    
31. Mai Mátészalka 3.299 33.187 43.039
1. Juni Kisvárda 3.421    
Datum Deportationsort Anzahl
Deportierter
Zahl laut Veesenmayer Zahl laut Tab. 3
1. Juni Nagyvárad 3.059    
1. Juni Szatmárnémeti 2.615 19.178 9.095
2. Juni Huszt 2.396    
2. Juni Beszterce 3.106    
2. Juni Kolozsvár 3.100 11.442 8.602
3. Juni Nagyszõllõs 2.967    
3. Juni Kassa 2.499 5.433 5.466
4. Juni Szilágysomlyó 3.161    
4. Juni Szászrégen 3.149    
4. Juni Sátoraljaújhely 2.567    
5. Juni Nagyvárad 2.527    
5. Juni Mátészalka 3.100    
5. Juni Nyíregyháza 2.253    
5. Juni Nagybánya 2.844    
6. Juni Huszt 1.852    
6. Juni Dés 3.160    
6. Juni Beszterce 2.875    
6. Juni Szilágysomlyó 1.584    
8. Juni Dés 1.364    
8. Juni Kolozsvár 1.784    
8. Juni Marosvásárhely 1.163 36.068 33.383
9. Juni Kolozsvár 1.447    
11. Juni Maklár 2.794    
12. Juni Diósgyõr 2.675    
12. Juni Balassagyarmat 3.810    
12. Juni Diósgyõr 2.941    
12. Juni Érsekújvár 2.899    
12. Juni Diósgyõr 3.051    
12. Juni Hatvan 2.961    
13. Juni Komáron 2.790    
13. Juni Salgótarján 2.310    
14. Juni Miskolc 3.968    
14. Juni Balassagyarmat 1.867 34.648 33.513
15. Juni Léva 2.678    
15. Juni Miskolc 2.829    
15. Juni Érsekújvár 1.980 2.004 7.487
16. Juni Gyõr 2.985    
16. Juni Komáron 2.673    
16. Juni Dunaszerdahely 2.969    
26. Juni Szeged 3.199 25.841 11.826
27. Juni Debrecen 3.842    
27. Juni Kecskemét 2.642    
27. Juni Nagyvárad 2.819    
27. Juni Békéscsaba 3.118    
28. Juni Bácsalmás 2.737    
29. Juni Kecskemét 2.790    
29. Juni Szolnok 2.083    
29. Juni Debrecen 3.026 29.811 23.057
5. Juli Sárvár 3.105    
5. Juli Szombathely 3.103    
6. Juli Kaposvár 3.050    
6. Juli Pécs 3.100    
6. Juli Kaposvár 2.066    
7. Juli Sopron 3.077    
7. Juli Pápa 2.793    
7. Juli Paks 1.072    
7. Juli Monor 3.549    
7. Juli Óbuda 3.151    
7. Juli Sárvár 2.204 41.250 30.270
8. Juli Pécs 2.523    
8. Juli Óbuda 2.997    
9. Juli Monor 3.065    
9. Juli Óbuda 3.072    
9. Juli Budakalász 3.072    
9. Juli Monor 3.079    
9. Juli Békásm. 1.924 14.491 19.732
22. Juli Rákoscsaba 1.230   1.230
    398.223 437.402 398.223

TABELLE 4: ÜBERSICHT ÜBER DIE DEPORTATIONEN DER UNGARISCHEN JUDEN
Gendarmerie-
distrikt
Zeitraum der
Deportation
Anzahl
Züge
Anzahl Deportierte
laut Ferenczy
Anzahl Deportierte
laut Veesenmayer
VIII, IX, X 15. Mai-7. Juni 92 288.333 289.357
II,VII 11-16. Juni 23 51.829 50.805
V,VI 25-28. Juni 14 40.505 41.499
III, IV, I 4-8. Juli 18 53.684 55.741

TABELLE 5: ANZAHL DER AN DEN BETREFFENDEN DATEN AUS UNGARN DEPORTIERTEN JUDEN
Datum Anzahl Deportierte Datum Anzahl Deportierte
17. Mai 23.363 3. Juni 253.289
18. Mai 51.000 7. Juni 289.357
19. Mai 62.644 14. Juni 324.005
21. Mai 94.667 15. Juni 326.009
24. Mai 117.082 19. Juni 340.142
25. Mai 138.870 26. Juni 351.850
28. Mai 184.049 30. Juni 381.661
31. Mai 217.236 7. Juli 422.911
1. Juni 236.414 9. Juli 437.402
2. Juni 247.856    

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Author(s): Carlo Mattogno
Title: Die Deportation ungarischer Juden von Mai bis Juli 1944, Eine provisorische Bilanz
Sources: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 5(4) (2001), pp. 381-395
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Published: 2001-01-12
First posted on CODOH: Dec. 30, 2001, 6 p.m.
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