Falschzeugen
Bücherschau
Published: 1997-04-01

This document is part of a periodical (VffG).
Use this menu to find more documents that are part of this periodical.

Elizabeth Loftus, The Myth of Repressed Memory, New York, 1994, 290 S.

Die Welt der wissenschaftlichen Medizin hat erneut ein erstaunliches Buch hervorgebracht über das zunächst als sogenanntes "Holocaust-Survivor-Syndrom" bekannt gewordene Phänomen, also die Art und Weise, mit der ganze Gruppen von Menschen im Laufe der Jahre aufrichtig und ehrlich zu der Überzeugung gelangen, bestimmte Episoden erlebt zu haben, die tatsächlich zum Großteil Ergebnis von Traumata und Phantasien sind.

Elizabeth Loftus, Psychologin an der Universität Washington, schreibt in diesem Buch, das die Zeitschrift Newsweek als ein störendes neues Buch bezeichnet:

»Es ist möglich, eine vollständige Erinnerung an ein traumatisches Ereignis zu erlangen, das niemals stattgefunden hat.«

Ihren Ausführungen folgend versuchen einige der besten Köpfe der Neurologie herauszufinden, wie dies geschehen kann. Das mag auf die bitteren Debatten um "wiedererlangte Erinnerungen" einiges Licht werfen, die von Satanismusfällen über sexuellen Mißbrauch in der Kindheit, UFO-Entführungen und, so muß gerechterweise auch angeführt werden, bis zu andernfalls unerklärbaren und unsubstantiierbaren Holocaust-Augenzeugenberichten der Überlebenden reichen; Berichte, die dem Clevelander Automechaniker John Demjanjuk beinahe zum Verhängnis geworden wären.

Zusammenfassung: Hunderte von Experimenten haben gezeigt, daß die Menschen sehr leicht falsche Gedächtnisfragmente (zum Beispiel aus einem Fernsehbericht) in ihre Erinnerung an ein Ereignis aufnehmen, das sie selbst erlebten. »Sie "erinnern" sich sogar an Ereignisse, von denen sie nur gehört haben«, schrieb Newsweek in einer Rezension des 290-Seiten Buches von Loftus.

Im Mai 1994 führte die Medizinische Hochschule von Harvard eine Konferenz über die neurologischen Fundamente falschen Erinnerns durch. James McClelland vom Center for the Neural Basis of Cognition in Pittsburgh bot eine Erklärung an. Michael Nash von der Universität Tennessee eine andere.

Nash nennt es niederdrückend, daß »es keinen strukturellen Unterschied geben mag« zwischen einer echten Erinnerung an ein Ereignis und einer falschen. Das Problem ist ähnlich dem der Unterscheidung zwischen der Erinnerung an einen Traum und an ein tatsächliches Ereignis. Einige Menschen, so sagt Daniel Schacter aus Harvard, können dies nicht unterscheiden. »Du könntest dich an einen Traum, eine Angst oder an etwas, worüber gesprochen wurde, erinnern«, sagt er. »Was der Erinnerung den Anschein der Authentizität verleiht, sind authentische Anteile darin.«

Nur einer unter vier Menschen ist – Loftus’ Studien zur Folge – vor dieser Art von Störung gefeit. Andere Menschen wiederum können durch bestimmte Ereignisse konditioniert werden. »Schwere emotionale Anspannung überwältigt die innere Glaubhaftigkeitskontrolle,« stellt der Neurologe Marsel Mesulam von der Northwestern Universität fest, »und man bleibt dann mit einer falschen Erinnerung zurück.«

In den USA wurde nun mit der False Memory Syndrom Foundation eine Stiftung gegründet, die die Interessen derer vertritt, die Opfer solcher "wiedererlangter Erinnerungen" wurden. Einige Menschen wurden allein auf Basis solcher Aussagen zu vierzig Jahren Gefängnis verurteilt. Die Psychiaterin Judith Hermann (Harvard) allerdings ist verärgert: »Die Wissenschaftler haben kein Recht, den Begriff falsche Erinnerung zu verwenden«.


Additional information about this document
Property Value
Author(s): David Irving
Title: Falschzeugen, Bücherschau
Sources: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(1) (1997), pp. 41f.
Contributions:
n/a
Published: 1997-04-01
First posted on CODOH: Jan. 27, 2016, 3:53 p.m.
Last revision:
n/a
Comments:
n/a
Appears In:
Mirrors:
n/a
Download:
n/a