Guido Knopp und die historische Wahrheit

Published: 1997-04-01

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Der linke Journalist Guido Knopp zeichnet für die Serie »Hitlers Helfer« verantwortlich, in der das ZDF die Biographien wichtiger politischer Größen des Dritten Reiches vorstellt. Wie wenig Guido Knopp von redlichen Methoden zur Vermittlung wahrheitsgemäßer Tatsachen hält, soll nachfolgend an zwei Beispielen gezeigt werden.

Selbstmord aus Staatsräson

Könnte es sich die Bundesrepublik innenpolitisch wie außenpolitisch erlauben, daß ihre Justiz feststellen könnte, Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß sei von seinen alliierten Gefängniswärtern in Spandau 1987 ermordet worden? Solch ein Mord würde nur dann Sinn haben, wenn die Alliierten mit aller Gewalt verhindern wollten, daß für sie massiv belastende Tatsachen bezüglich der Schuldfrage des Zweiten Weltkrieges ans Licht der Öffentlichkeit kämen. Da aber nun das (wissenschaftlich längst unhaltbare) Dogma von der Alleinkriegsschuld Deutschlands eines der wichtigsten Fundamente ist, auf das sich die – ohnehin brüchig gewordene – alliierte Nachkriegsordnung stützt, wäre die Enthüllung eines Mordes an Rudolf Heß eine außenpolitische Katastrophe.

Ebenso wäre es innenpolitisch fatal, wenn plötzlich alle "gemäßigten" politischen deutschen Kräfte zugeben müßten, daß ein nicht unerheblicher Teil ihres Weltbildes auf Sand gebaut ist, und daß jene, die bisher als "rechtsextrem" verunglimpft werden, ein weiteres Mal im Recht sind. Da in den Augen des Establishments rechts aber der innenpolitische Feind steht, käme eine solche Mordenthüllung einem moralischen Legitimitätsentzug des Establishments zugunsten der radikalen Rechten gefährlich nahe. Da im Kampf gegen Rechts alle Mittel recht sind, insbesondere jene der volkspädagogisch erwünschten Lüge, greift auch Guido Knopp im Fall Heß, wie vor ihm schon andere, zur Desinformation.

Bereits im Vorfeld der hier angesprochenen Sendung vom 14.1.1997 (20:15) warb das ZDF mit dem Hinweis, daß der private Gutachter der Familie Heß, der den Leichnam Rudolf Heß' obduziert hatte, die Behauptung vom Mord an Heß nicht nur nicht stützt, sondern ihr vor laufenden Kammeras sogar widerspricht. Während der Sendung wird der medizinische Gutachter Prof. Spann gefragt, ob die Obduktion beweise, daß Heß ermordet wurde. Prof. Spann antwortet, daß sein Gutachten für diese Behauptung keinen Beweis liefere. Aus dem Kontext von Guido Knopps Film entsteht ferner der Eindruck, daß es nicht nur keinen Beweis für einen Mord gibt, sondern daß es vielmehr viele Beweise für einen Selbstmord gebe.

Das Gutachten von Prof. Spann, das Guido Knopp vorliegen muß, sonst hätte er von der Arbeit Prof. Spanns nichts gewußt, besagt aber nun genau das Gegenteil dessen, was Knopp zu suggerieren versucht. Spann hat nachgewiesen, daß die Strangulationsmarken am Hals des Rudolf Heß waagrecht verlaufen. Er hat ferner festgestellt, daß bei einem Selbstmord durch Erhängen die Strangulationsmarken in aller Regel am Nacken nach oben, beim Erdrosseln aber in der Regel waagrecht verlaufen. Schließlich stellt er fest, daß ein eigenhändiges Erdrosseln sehr selten und im Falle des körperlich schwachen Rudolf Heß unwahrscheinlich sei. Zudem könne es nur in seltenen Fällen des atypischen Erhängens zu waagrechten Strangulationsmarken kommen, etwa wenn der "Hängende" nur schräg von einer Wand, an der der Strang befestigt ist, absteht. Laut Aussage von Prof. Spann ist somit diese waagrechte Strangulationsmarke zwar ein deutliches Indiz für einen Mord, aber kein Beweis, denn ein Beweis würde andere Interpreta tionsmöglichkeiten ausschließen.[1]

Das Gutachten von Prof. Spann stützt mithin die Mordthese der Angehörigen Rudolf Heß'. Indem Knopp den Zuschauern von den Ausführungen Prof. Spanns lediglich jenen Satz zeigt, in dem er sagt, sein Gutachten beweise die Mordthese nicht, Knopp dem Zuschauer aber vorenthält, daß Prof. Spanns Gutachten die Mordthese als sehr wahrscheinlich erscheinen läßt, führt Knopp die Zuschauer vorsätzlich in die Irre. Man nennt diese Art der Berichterstattung gewöhnlich betrügerisch und lügenhaft.

Greuelpropaganda im ZDF

Nicht viel anders verhält sich Guido Knopp in der Sendung über Heinrich Himmler, die das ZDF am 21.1.1997 ausstrahlte. Dort läßt er einen Zeugen längst widerlegte Greuelmärchen von sich geben, ohne diese kritisch zu kommentieren. Martin Bohrmann junior ist es, der von Lampenschirmen und anderen Utensilien aus Menschenhaut sowie von Möbeln aus Menschenknochen berichten darf – eine völlig neue Greuelgeschichte –, ohne daß ihm die inzwischen auch vom israelischen Zentrum für Holocaust-Studien in Yad Vashem bestätigten Fakten vorgehalten werden, daß diese Geschichten nichts anderes als Ausflüsse einer perversen Greuelpropaganda sind.[2] Offensichtlich ist sich Guido Knopp nicht bewußt, daß derartige Falschaussagen die Glaubwürdigkeit seiner Zeugen insgesamt untergräbt und somit auch andere, bislang zumeist unkritisch als wahr hingenommene Aussagen zweifelhaft erscheinen läßt. Oder sollte dies sogar Knopps Absicht sein?


Anmerkungen

[1] Vgl. dazu den Abdruck des Gutachtens in: Wolf Rüdiger Heß, Mord an Rudolf Heß?, Druffel, Leoni am Starnberger See 1989, S. 206-229.
[2] dpa Pressemeldung bas309 3 pl 333 vvvvb dpa 0300; »"Juden-Seife" gefälscht«, Eßlinger Zeitung, 5.4.1995.

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Author(s): Germar Rudolf
Title: Guido Knopp und die historische Wahrheit
Sources: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(1) (1997), pp. 32f.
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Published: 1997-04-01
First posted on CODOH: Jan. 27, 2016, 3:22 p.m.
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