Gutachten über die Frage der Wissenschaftlichkeit der Bücher von Jean-Claude Pressac

»Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Chambers« und »Les Crématoires d'Auschwitz, la Machinerie du meurtre de masse«
Published: 1994-01-01

I. Kriterien der Wissenschaftlichkeit

Die in einer wissenschaftlichen Arbeit aufgestellten Thesen müssen durch eine eigene kritische Beweisführung oder durch Quellenverweise belegt sein und sie müssen der Kritik gegenläufiger Thesen ausgesetzt werden. Ob die im Titel angesprochenen Bücher Pressacs diesen Anforderungen genügen, wird nachfolgend untersucht.

II. Beweisführung und Quellenverweise

Pressac führt in seinen Werken im Zusammenhang mit den von ihm angeschnittenen technischen und naturwissenschaftlichen Problemen (z.B. Kremierung, Blausäurebegasungen, Lüftungstechnik, chemische Rückstandsbildung) keine Quellen der Fachliteratur an und führt auch keine eigenen Berechnungen oder Experimente durch.[3] Dagegen zitiert er einige geläufige historische Werke. Beispiele hierzu siehe im Anhang.

III. Kritik an Zeugen, Dokumenten und anderen Gegenständen

Auschwitz: Technique... enthält vielerorts massive Kritik an Zeugenaussagen, die jedoch unsubstantiert erfolgt.[4] Les Crématoires... korrigiert (wiederum unsubstantiert) stillschweigend die Zeugenaussagen, ohne diese selber einer Kritik zu unterziehen. Eine Dokumentenkritik wird in keinem der beiden Bücher vorgenommen. Da ein Großteil der Dokumente aus ehemals sowjetischen Archiven (u.a. des KGB) stammt, wäre eine Kritik aber gerade hier unerläßlich.[5] Auch eine technische Kritik der vorhandenen Gegenstände der Untersuchung (Krematorien bzw. deren Überreste) erfolgt nicht. Beispiele hierzu siehe im Anhang.

IV. Anführung von Gegenargumenten

In Auschwitz: Technique... geht Pressac kurz auf den Leuchter-Report (ohne Quellennachweis) und auf ein Werk von P. Rassinier ein. Neuere und wichtigere Arbeiten anderer Autoren mit Gegenargumenten (Faurisson, Butz, Mattogno u.a.) erwähnt er nicht. Sein zweites Buch enthält nur den Hinweis, daß es Verneiner seiner Thesen gibt (S. 2), aber ohne Nennung von Namen, Werken und Argumenten. Die Anführung von Dokumenten, die Möglicherweise seiner Thesen zuwiderlaufen (z.B. Luftaufnahmen) unterbleibt ebenso. Beispiele hierzu siehe im Anhang.

V. Schlußfolgerungen

Aufgrund fehlender Dokumentenkritik und willkürlicher inhaltlicher Veränderung der Zeugenaussagen kann den Büchern Pressac's für die Geschichtswissenschaft nur ein eingeschränkter wissenschaftlicher, jedoch ein gewisser informativer Wert zugestanden werden.

Pressac's Bücher entsprechen mangels Kalkulationen, Experimente und Substantierung technisch-naturwissenschaftlicher Vorgänge nicht den Ansprüchen, die an wissenschaftliche Arbeiten in diesen Fachgebieten gestellt werden.

Schließlich setzt Pressac seine Ergebnisse besonders in Les Crématoires... nicht der Kritik anderer Meinungen aus. Er führt sie noch nicht einmal an.

VI. Fazit

Die Bücher Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Chambers und Les Crématoires d'Auschwitz, la Machinerie du meurtre de masse von Jean-Claude Pressac bezeugen, daß der Autor unwissenschaftlich gearbeitet hat. Aufgrund seiner fleißigen Dokumentenrecherche enthalten diese Bücher jedoch viele verwertbare Erkenntnisse.

Dipl.-Chem. Germar Rudolf, Jettingen, den 18. Januar 1994.


Anhang

Beispiele aus Les Crématoires... zu II. Beweisführung und Quellenverweise:

  • Auf Seite 6 läßt er die SS aus dem Brennstoffbedarf einer Kremierung mit Sarg (35 kg Holz plus wenige kg Koks) ableiten, daß man für eine Kremierung ohne Sarg nur 5 kg Koks pro Leiche benötige. Diese Ableitung beruht nur auf einer Schätzung Pressac's, eine Quelle dafür führt er nicht an.
  • Über den Zeitbedarf der Kremierung einer Leiche führt Pressac verschiedene Werte aus Zeugenaussagen und Dokumenten an (1 h, S. 7; 30-40 min, S. 13; 1 h 12 min, S. 15; 15 min, S. 28; 1 h 36 min, S. 34; 34-43 min, S. 49; 13 min, S. 72; 29 min, S. 74; 22 min, S. 80). Eine technische Überprüfung dieser Werte erfolgt nicht.
  • Auf Seite 41f. interpretiert Pressac die Kenntnisnahme eines Artikels von G. Peters über eine Kreislaufentlausungsanlage durch die Lagerleitung von Auschwitz dahingehend, daß die SS die angeblichen Menschengaskammern im Bunker II mit ähnlichen Anlagen ausrüsten wollte. Belege dafür hat er nicht.
  • Die Verwendung des Wortes Sonder- ist für Pressac der Beweis für den Massenmord. Einen Beleg dafür liefert er nicht (S. 46f.; 52; 60f.). Im Gegenteil: auf S. 82 zitiert er explizit den Begriff Sondermaßnahme im Zusammenhang mit Entlausungsaktionen.
  • Auf Seite 70f. interpretiert er den Einbau eines Holzventilators in einen Leichenkeller als Beweis für die Verwendung von Blausäure darin, ohne jeden Beleg. Unbemerkt bleibt ihm, daß er selbst an vielen Stellen erwähnt, daß Eisen während des Krieges rationiert war und, wo möglich, durch andere Materialien ersetzt wurde (S. 23; 38; 51; 53; 70).
  • Die von Pressac zitierten Angaben der Luftförderleistungen der Lüftungsanlagen (S. 30, 38, 74, 90) sind nicht nur von der Motorleistung, sondern auch vom Gebläsetyp und von der Luftführung (Druckdifferenz) abhängig. Eine für jede Anlage angepaßte Kalkulation führt Pressac nicht durch.

Beispiele aus Les Crématoires... zu III. Kritik an Zeugen, Dokumenten u.a.:

  • Die Vergasungen im Krematorium I (Stammlager) schränkt er auf wenige Male innerhalb dreier Monate ein - entgegen den Zeugenaussagen (S. 34f.).
  • Nach den Vergasungen in den Bunkern I und II sollen viele Stunden verstrichen sein, bis man die Leichen entnehmen konnte (S. 39f.). Die Zeugen berichten aber von wenigen Minuten, was Pressac nicht erwähnt. Ebensolches berichtet er über die Krematorien IV und V, in denen ohne Entlüftungsanlage eine Serienvergasung unmöglich war. Die dem entgegenstehenden Zeugenausussagen verschweigt er (S. 89).
  • Die Krematoriumskapazität, angegeben in einem vermeintlich originalen Dokument, bezeichnet er als Lügenpropaganda und korrigiert sie - ohne Belege (S. 80f.).
  • Ein Dokument über die Bestellung von Anzeigegeräten für Blausäure-Reste für ein Krematorium präsentiert er als endgültigen Beweis der Gaskammern. Dieses Dokument enthält aber so viele sachliche wie formelle Fehler, daß eine Dokumentenkritik angebracht wäre. Pressac unterläßt sie auch hier.
  • Eine Untersuchung der Original-Ruinen und Alliierter Luftbilddokumente unterläßt er.

Beispiele aus Les Crématoires...zu IV. Anführung von Gegenargumenten:

  • Die über sein erstes Buch Auschwitz: Technique... gemachten Einwände[6] ignoriert er in seinem neuen Buch. Er wiederholt vielmehr die ihm vorgeworfenen Fehler.
  • Die Feststellung, daß in der Decke der angeblichen Hauptgaskammer (Leichenkeller I Krematorium II) jede Spur von Zyklon B-Einwurfluken fehlt, womit diese Hauptgaskammer als Mordwaffe und Hauptstützpfeiler des industriellen Massenmordes in Auschwitz ausfiele,[7] übergeht er in beiden Büchern.
  • Auf die chemisch-physikalische Argumentation und die bautechnischen Ausführungen des Rudolf-Gutachtens geht er mit keiner Silbe ein.[4]

Anmerkungen

[1]
Beate Klarsfeld Foundation, New York 1989.
[2]
CNRS Éditions, Paris 1993.
[3]
Im Buch Les Crématoires... gibt er eine Quelle für den Siedepunkt der Blausäure an (S. 16), verwechselt ihn jedoch mit einem "Verdampfungspunkt", den es nicht gibt. Er beweist damit seine physikochemische Inkompetenz. Eine weitere Quelle über Kreislaufentlausungsanlagen zitiert er, weil er sie in einem Moskauer Archiv fand, geht aber auf dessen Inhalt nicht ein (S. 41).
[4]
Vgl. R. Kammerer, A. Solms, Das Rudolf Gutachten, Cromwell, London 1993, bes. S. 64ff.
[5]
Seit Bekanntwerden der Totalfälschung des Demjanjuk-Ausweises ist offenkundig, daß eine Kritik von Dokumenten aus diesen Archiven unerläßlich ist. D. Lehner, Du sollst nicht falsch Zeugnis geben, Vowinckel, Berg o.J.
[6]
Zu detaillierter Kritik an Pressac vgl.: R. Faurisson, Revue d'Histoire Révisionniste 3 (1990) 65ff.; ders., Journal of Historical Review 12(1) (1991) 25ff.; ebenda, 12(2) (1991) 133ff; W. Häberle, Deutschland in Geschichte und Gegenwart 39(2) (1991) 9ff.; W. Schuster, ebenda, 13ff,; M. Weber, Journal of Historical Review 12(4) (1992-93) 421ff.; P. Grubach, ebenda, 445ff.; E. Gauss, Deutschland in Geschichte und Gegenwart 41(2) (1993) 16ff.; ders., Vorlesungen über Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1993; R. Kammerer u.a., Anm. 4. Vgl. auch die fundierte Kritik an seinem neuen Buch: A.N.E.C., R. Faurisson, S. Thion, P. Costa, Nouvelle Vision 31 (1993) 11ff.; R. Faurisson, Réponse à Jean-Claude Pressac, R.H.R., Boîte Postale 122, 92704 Colombes Cedex 1994; R. Faurisson, C. Mattogno, S. Thion, Erwiderung an Jean-Claude Pressac, im Druck (= Herbert Verbeke (Hg.), Auschwitz: Nackte Fakten. Eine Erwiderung an Jean-Claude Pressac, VHO, Berchem 1996; editor).
[7]
Vgl. R. Kammerer u.a., Anm. 4, bes. S. 22ff.

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Author(s): Germar Rudolf
Title: Gutachten über die Frage der Wissenschaftlichkeit der Bücher von Jean-Claude Pressac, »Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Chambers« und »Les Crématoires d'Auschwitz, la Machinerie du meurtre de masse«
Sources: W. Schlesiger, Der Fall Rudolf, Cromwell Press, London 1994, pp. 12ff
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Published: 1994-01-01
First posted on CODOH: June 29, 1995, 7 p.m.
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